Aufwendige Reklameschlachten der politischen Parteien

Werbung 1932:

Die werbetreibende Wirtschaft klagt im Jahr 1932 – auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise – über eine schlechte Auftragslage. Die in den letzten Jahren stetig gesunkene Kaufkraft der Konsumenten macht es den Unternehmen immer schwerer, ihre Güter abzusetzen. Um die Produktion überhaupt noch rentabel gestalten zu können und die Fertigungsanlagen auszulasten, müssen die meisten Betriebe knapp kalkulieren und ihre Verkaufspreise drastisch senken. Aus diesem Grund verzichten finanzschwache mittlere und kleine Unternehmen im In- und Ausland auf aufwendige Werbekampagnen. Dennoch geht es angesichts des scharfen Wettbewerbs nicht ganz ohne Werbung. Allerdings werden die Werbeetats nicht mehr so hoch angesetzt: Statt teurer ganzseitiger Anzeigen werden nun häufig nur noch bescheidene Kleinanzeigen geschaltet. Dagegen werben Branchen, deren Zielgruppe die zahlungskräftigen Bevölkerungsschichten sind, weiterhin mit aufwendig gestalteten Anzeigen und Plakaten. Vor allem Schifffahrtslinien, Autohersteller und Champagnerproduzenten investieren nach wie vor in teure Reklame.

Im von innenpolitischen Krisen geschüttelten Deutschen Reich bekommt die politische Werbung eine immer größere Bedeutung. Vor den Wahlen zu den Landesparlamenten, dem Reichstag oder den Reichspräsidentenwahlen liefern sich die Parteien regelrechte Reklameschlachten. Nahezu jede Häuserwand dient als Plakatwand oder wird mit politischen Parolen versehen. Auf den Straßen verteilen Wahlhelfer in großen Mengen Flugzettel. In der »heißen Phase« eines Wahlkampfes werden überall im Deutschen Reich täglich Kundgebungen organisiert, an denen Tausende von Menschen teilnehmen. Vor allem die Nationalsozialisten treiben Werbung in einem bislang nicht gekannten Ausmaß. Die Kosten, die dieser Aufwand verursacht, werden zum Teil von der Wirtschaft getragen. Zunehmend fließen großzügige Wahlspenden aus der Industrie in die Parteikasse, die der Reichspropagandaleiter der NSDAP, Joseph Goebbels, wirksam einsetzt. Er bedient sich im Kampf um die Wählerstimmen modernster Hilfsmittel. So lässt er Schallplatten mit einer Hitler-Rede verteilen und chartert ein Flugzeug, mit dem Hitler im Rahmen seiner »Deutschlandflüge« an mehreren Kundgebungen täglich teilnehmen kann. Dadurch wird beim Wähler das Gefühl erzeugt, der Führer der Nationalsozialisten sei »volksnah«, überall präsent und kümmere sich unmittelbar vor Ort um jeden Wähler.