Eintopf statt Schweinebraten

Ernährung, Essen und Trinken 1932:

Infolge der Weltwirtschaftskrise haben 1932 weite Kreise der Bevölkerung nicht genug Geld, um sich ausgewogen und abwechslungsreich zu ernähren. Vor allem den Arbeitslosen die im Durchschnitt nur rund 54 RM im Monat Unterstützung bekommen, bleibt nach Abzug der Miete nicht mehr viel Geld zum Einkaufen übrig. Im Schnitt steht der vierköpfigen Familie eines Arbeitslosen täglich nur rund 1,20 RM zum Kauf von Lebensmitteln zur Verfügung.

Obgleich das Preisniveau in den letzten Jahren durch die staatliche Preiskontrolle gesunken ist, müssen sich viele Menschen mit einfachen Gerichten bescheiden. Meist stehen nur Brot, Kartoffeln und Rüben auf dem Speisezettel. Eintöpfe aller Art, die aus preiswerten Zutaten bereitet werden können, sind 1932 ein weit verbreitetes Gericht.

Dagegen sind Fleischgerichte selten geworden. Bei Preisen von rund 1,45 RM für ein Kilo Fleisch wird eines der Lieblingsgerichte der Deutschen, der Schweinebraten, nur noch an Festtagen serviert. Auch Kaffee kann nur noch selten genossen werden. Statt Bohnenkaffee, von dem ein Kilo rund 5,71 kostet, wird meist billiger Malzkaffee getrunken.

Eine solche Ernährungsweise, bei der mehr auf Sättigung als auf Ausgewogenheit der Nährstoffe geachtet wird, birgt jedoch Gefahren. Die Mediziner beklagen zunehmend die Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustands der Bevölkerung. Mangelerscheinungen wie Vitaminosen infolge einer einseitigen Ernährung sind weit verbreitet. Immer wieder weisen Ärzte auf die Notwendigkeit einer gesunden Ernährung hin. Aus diesem Grund bevorzugen viele Menschen, die sich den Genuss von Fleisch finanziell durchaus leisten könnten, eine vegetarische Kost. Einer der Verfechter einer pflanzlichen Ernährungsweise, durch die nach Meinung der Wissenschaft sogar Krankheiten geheilt werden können, ist der schweizerische Mediziner Maximilian Bircher-Benner, der immer mehr Anhänger gewinnt.