Innenpolitische Turbulenzen und erneute Regierungswechsel

Innenpolitische Turbulenzen und erneute Regierungswechsel
Reichstagssitzung am 12. September 1932: An seinem Platz stehend Reichskanzler Papen, der den Auflösungsbeschluss verkünden will, oben rechts stehend Reichstagspräsident Hermann Göring. Bundesarchiv, N 1310 Bild-048 / CC-BY-SA [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1932:

Das Jahr 1932 ist für die politische Entwicklung Deutschlands von herausragender Bedeutung. Die seit 1930 anhaltende wirtschaftliche und politische Krise verschärft sich im Verlauf des Jahres und treibt unaufhaltsam ihrem Höhepunkt entgegen. Für die Demokratie stehen die Zeichen auf Sturm. Gefahr droht ihr vor allem von rechtsgerichteten Parteien und Verbänden, die – an der Spitze die NSDAP – ihre Position ausbauen können.

Mehrmalige Regierungswechsel können den Verfall der politischen Ordnung nicht aufhalten, sondern sind Ausdruck der sich verschärfenden Krise. Im Mai löst Franz von Papen den Zentrumspolitiker Heinrich Brüning als Reichskanzler ab. Nach zwei Jahren enger Zusammenarbeit entzieht der greise Reichspräsident Paul von Hindenburg Brüning das Vertrauen, »100 Meter vor dem Ziel«, wie Brüning verbittert feststellt. Mit Papen übernimmt nun ein Politiker die Regierungsgewalt, dessen Pläne konsequent auf die Errichtung eines autoritären Staatsgefüges unter Führung konservativ-nationalistischer Kreise gerichtet sind. Die Absetzung der sozialdemokratisch geführten preußischen Regierung durch Papen entspricht diesem Konzept: Durch den sog. Preußenschlag vom 20. Juli gegen die Regierung Otto Braun wird eine mächtige Verteidigungsbastion der Demokratie beseitigt.

Doch bereits im November 1932 ist Papens »Kabinett der Barone« am Ende. Der neue Reichskanzler, General Kurt von Schleicher, versucht, die Regierungspolitik auf eine möglichst breite gesellschaftliche Basis zu stellen – von den Gewerkschaften bis zum linken Flügel der NSDAP. Letztlich scheitert auch dieser Versuch, eine Diktatur für Deutschland abzuwenden.