Produktion stark gesunken

Auto und Verkehr 1932:

Die Automobilindustrie steckt in einer Krise. Gegenüber 1929 hat sich die Kraftfahrzeugproduktion dramatisch vermindert. So werden 1932 weltweit rund drei Millionen Autos gefertigt; 1929 waren es noch rund 6,3 Millionen. Betroffen ist vor allem die US-amerikanische Autoindustrie, deren Anteil an der Weltproduktion rund 80% beträgt. Dagegen hat sich die deutsche Automobilindustrie während der Wirtschaftskrise verhältnismäßig gut behaupten können. In Deutschland ist die Fahrzeugproduktion mit rund 64 000 Stück gegenüber 1930 (770 000 Stück) nur geringfügig zurückgegangen. Allerdings verkaufen viele kleinere Hersteller nicht mehr die für eine rentable Produktion erforderlichen Stückzahlen und müssen Konkurs anmelden.

Auf diese Weise gehen in den Vereinigten Staaten immer mehr Automobilmarken in den Besitz der drei großen Produzenten Ford, General Motors und Chrysler über. Die vier deutschen Automobilhersteller DKW, Horch, Audi und Wanderer erkennen diese Gefahr und schließen sich am 4. Juni zur Auto-Union GmbH zusammen.

Die Wirtschaftskrise hat das Kaufverhalten der Konsumenten verändert. Die Kundschaft verlangt statt teurer Luxuslimousinen immer häufiger preiswerte und sparsame Wagen. Diesem Trend entspricht der Hersteller DKW mit dem Modell »F1«. Der Kleinwagen ist mit einem sparsamen 500-ccm-Motor mit Frontantrieb ausgerüstet. Sein Zweitaktmotor leistet 15 PS und beschleunigt den zweisitzigen Roadster auf rund 70 km/h. Mit einem Preis von 1685 RM ist dieser Kleinwagen das zur Zeit billigste Auto auf dem deutschen Markt. Etwas komfortabler ausgestattet ist der 1932 vorgestellte DKW »Sonderklasse 1001«. Er besitzt einen neuentwickelten 26 PS starken Zweitaktmotor mit 1054 ccm Hubraum. Eine bemerkenswerte technische Neuerung weisen die 1932 vorgestellten 1,7- und 2-l-Modelle der Marke Wanderer auf. Eine von dem Konstrukteur Ferdinand Porsche entwickelte Pendelachse sorgt zusammen mit einer hinteren Querblattfeder für eine gute Straßenlage und hohen Fahrkomfort.

Gleich mit einer Vielzahl an Neuerungen haben die Ingenieure der Firma Daimler-Benz den »Mercedes 170« ausgestattet. Die von einem 32 PS starken Sechszylindermotor angetriebene Limousine besitzt eine »Schwingachse«, an der die Räder einzeln aufgehängt sind. Zusammen mit den erstmals verwendeten hydraulischen Stoßdämpfern vorn und hinten ermöglicht sie eine hervorragende Straßenlage. Weitere Neuerungen sind ein Thermostat für die Wasserkühlung, eine hydraulische Vierrad-Bremsanlage sowie die Zentralschmierung. Vor allem dem Fahrkomfort dient der »Schnellgang«: Ein vierter Gang hält die Drehzahl des Motors bei schneller Fahrt niedrig und vermindert so die Innengeräusche.