Sechs Millionen Arbeitslose überfordern die Unterhaltungsindustrie

Politik und Gesellschaft 1932:

Die Wirtschaftskrise lähmt in aller Welt die ökonomischen Kräfte, was vielerorts zu Unruhen führt. Große Teile der deutschen wie der internationalen industriellen Kapazitäten liegen brach, da die Betriebe ihre Produkte auf dem Weltmarkt kaum mehr absetzen können. Die Massenarbeitslosigkeit nimmt zu. Bei Jahresbeginn übersteigt die Zahl der Arbeitslosen im Deutschen Reich erstmals die Sechs-Millionen-Grenze. Die soziale Verelendung breiter Bevölkerungsschichten nimmt ein erschreckendes Ausmaß an.

Der Unterhaltung kommt angesichts dieser Probleme eine besondere Bedeutung zu. Vor allem die populären Medien Film und Rundfunk bieten eine willkommene Abwechslung vom grauen Alltag. Ein Besuch der so beliebten Theater, Kabaretts und Revuetheater können sich die meisten allerdings nur noch selten leisten. Wegen der sinkenden Besucherzahlen können viele Theater ihre Spielpläne nicht aufrechterhalten und müssen schließen.

Die Parteien, allen voran die NSDAP, nehmen immer mehr Einfluss auf den Kulturbetrieb. Das Bauhaus in Dessau, Lehr- und Forschungsinstitut avantgardistischer Gestaltungskunst, muss auf Druck des Rates der Stadt nach Berlin umziehen, da es dem NS-Kunstverständnis nicht entspricht.

Die geringe deutsche Teilnehmerzahl am sportlichen Höhepunkt des Jahres 1932 – den Olympischen Spielen in den USA – zeigt deutlich die angespannte wirtschaftliche Lage. Da die Kosten für die Anreise in die Vereinigten Staaten zu hoch sind, treten nur 83 Aktive bei den Sommerspielen in Los Angeles an. 1928 gingen in Amsterdam, Austragungsort der letzten Sommerspiele, noch 245 deutsche Athleten an den Start. Eine Enttäuschung müssen die Sportfans am 21. Juni hinnehmen. Boxidol Max Schmeling verliert in New York durch eine umstrittene Punktniederlage seinen Weltmeistertitel im Schwergewicht an den US-Amerikaner Jack Sharkey.