Trend zum organischen Bauen

Architektur 1932:

Die Baukunst steht 1932 im Deutschen Reich – wie auch anderswo – unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise. Großbauprojekte können oft nur zum Teil realisiert werden oder müssen gestoppt werden. In Berlin wird z. B. die seit Langem geplante Neugestaltung der verkehrsreichen Plätze der Innenstadt aus finanziellen Gründen nicht in Angriff genommen. Ein städtebauliches Großprojekt wird jedoch trotz aller Schwierigkeiten 1932 fertiggestellt. Die Architekten Hans Scharoun, Hugo Häring, Walter Gropius und Otto Bartning stellen in Berlin ihre 1928 gemeinsam projektierte Großsiedlung »Siemensstadt« als Modell einer zukunftsweisenden Wohnlandschaft der Öffentlichkeit vor. Das Bauprojekt mit 1800 Wohnungen soll den Mietern anstelle der in der Großstadt weit verbreiteten Mietskasernenanonymität ein »einheitliches Ganzes von Straße, Wohnung und Grünfläche« bieten. Insgesamt ist in der Architektur eine Akzentverlagerung von der in den 20er Jahren vorherrschenden geometrischen Industriearchitektur zum organischen Bauen zu verzeichnen. Dabei finden natürliche Baustoffe, wie unbehandelte Steine, wieder mehr Verwendung. Statt der Enge standardisierter Kleinwohnungen soll den Großstadtbewohnern künftig in Terrassenhäusern und Gartensiedlungen ein naturbezogenes Leben ermöglicht werden.

Vorreiter für diese Integration von Natur und Architektur ist der US-Amerikaner Frank Lloyd Wright, der seine Thesen 1932 in seinem vielbeachteten Buch »The Disappearing City« (Die verschwindende Stadt) veröffentlicht. In einem krassen Gegensatz zu den Thesen Wrights steht ein Bau, der 1932 in New York fertiggestellt wird. Mit dem Rockefeller-Center ist ein Hochhauskomplex entstanden, der durch seine gigantischen Ausmaße das Gesicht eines ganzen Stadtteils verändert.