»Der Mode müssen wir ihr liberalistisches Eigenleben abgewöhnen«

Mode 1933:

Die Intention, eine rein deutsche Mode zu fördern, findet ihren ersten Niederschlag in der Gründung des Berliner Modeamtes, dem in anderen deutschen Städten Modeämter, -institute und -schulen folgen. Anlässlich der Gründung des Berliner Amtes verkündet dessen Leiter Hans Horst: »Endlich soll das des deutschen Wesens unwürdige und erfolgreiche Nachahmen ausländischer Muster und Modelle aufhören.«

Im Mai wird ebenfalls in Berlin die »Arbeitsgemeinschaft Deutsch/Arischer Bekleidungsfabrikanten« (ADEFA) gegründet. Ihr Leiter, Gottfried Dierig, betont in seiner Eröffnungsrede: »Auch der Mode müssen wir ihr liberalistisches Eigenleben abgewöhnen.« Vorerst bleibt der erhoffte freiwillige Beitritt von Konfektionsfirmen jedoch noch aus. Niemand, der sich ernsthaft in der Modebranche engagiert, will die mannigfachen und erfolgreichen Verbindungen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Firmen, die über Jahre hinweg zur Selbstverständlichkeit geworden sind, plötzlich abbrechen. Im selben Jahr erfolgt die Gründung des Reichsverbandes der deutschen Bekleidungsindustrie mit Otto Jung als dem geschäftsführenden Direktor.

Gerade im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs gelingt es den Nationalsozialisten noch nicht, die Modeschaffenden ganz auf Linie zu bringen: Marktangebot und Werbung sorgen nach wie vor für das Eindringen »artfremder« Stilelemente und für eine Fortdauer der von der Partei bekämpften Weltoffenheit.