Großaktion gegen »Doppelverdiener«

Arbeit und Soziales 1933:

Ein Teil der Arbeitsbeschaffungskampagne sind der Kampf gegen die Schwarzarbeit, die dem Staat Steuern vorenthält und zugleich die offizielle Beschäftigtenzahl reduziert, sowie Maßnahmen gegen das »Doppelverdienertum«. Berufstätige Frauen, deren Ehemänner ebenfalls arbeiten oder die anderweitig versorgt sind, sollen ihren Arbeitsplatz zugunsten eines erwerbslosen Mannes aufgeben, vor allem dann, wenn es sich um eine sog. Männerarbeit handelt. Diese Kampagne führt sowohl in der Privatwirtschaft als auch im öffentlichen Dienst zu zahlreichen willkürlichen Entlassungen. Zu welch rigiden Maßnahmen dabei gegriffen wird, zeigt ein Beispiel aus Dortmund. Dort werden im August die Arbeitgeber aufgefordert, auf 15 Arbeiter eine Neueinstellung vorzunehmen und Frauen und Mädchen durch verheiratete Arbeitslose zu ersetzen. In einer von der Stadt herausgegebenen Erklärung heißt es dazu: »Wer nicht freiwillig auf Doppelverdienst verzichtet, gehört in ein Konzentrationslager. Arbeitgeber, entfernt Doppelverdiener aus euren Betrieben!« Mit Hilfe der NSDAP sollen »besonders hartnäckige Doppelverdiener« erfasst, ihre Namen öffentlich bekanntgemacht und möglichst rasch gekündigt werden. Anfang Januar 1933 sind 36,76% der Beschäftigten Frauen, Ende Dezember bei gestiegener Erwerbstätigkeit nur noch 34,49%.