Kleinwagenboom und Preissenkungen beleben das Geschäft

Auto und Verkehr 1933:

Die leichte Belebung der Weltwirtschaft führt auch zu einer Erholung der Automobilbranche. In Deutschland wird der Absatz durch staatliche Maßnahmen stimuliert In den USA werden 1933 insgesamt 1,573 Mio. Personenwagen gebaut (1929 waren es noch 4,587 Mio.) und 1,494 Mio. neu zugelassen, so dass jeder fünfte Einwohner ein Auto hat.

Die Industrie reagiert hier mit Preisnachlässen und erhöhter Qualität auf den Nachfrageeinbruch: Früchte dieser Bemühungen sind u. a. die stromlinienförmige Karosserie, ein verlängertes Radgestell und die automatisch abdunkelbare Heckscheibe gegen Blendungen. Zur Standardausstattung gehören die X-Versteifung des Rahmens, Synchrongetriebe, Freilauf, Servokupplung und Anlasserautomatik. Auf der 33. New Yorker Automobilschau im Januar zeigen 36 Firmen insgesamt 300 Autos, das Angebot reicht vom Pierce Arrow für 10 000 US-Dollar (knapp 42 000 Reichsmark) bis zum kleinen Austin für 329 US-Dollar (rund 1700 RM), der immerhin noch 120 km/h schnell ist. Modefarben sind Schwarz und Gelbgrün.

Bei den Personenwagen haben in den USA drei Marken gemeinsam 66,4% Marktanteil: Chevrolet (General Motors), Ford und Plymouth (Chrysler), wobei auf Chevrolet über ein Drittel aller Neuwagenkäufe entfällt. Um den Rest streiten sich 13 unabhängige Produzenten. Auf dem Pariser Autosalon im Oktober finden die Kleinwagen von Citroën, Peugeot und Renault, die zwischen 12 000 und 19 000 Francs (rund 2000 bis 3000 RM) kosten, das meiste Interesse. Auf dem ebenfalls im Oktober stattfindenden Londoner Automobil-Salon präsentieren 28 britische Firmen ihre Novitäten. Von den Ausländern zieht die US-Firma Reo mit ihrem Flying Cloud das größte Interesse auf sich: Das mit einem Sechszylinder-Motor von 3,8 l Hubvolumen ausgerüstete Auto hat ein halbautomatisches Viergang-Getriebe, dessen untere Gänge sich bei einer Tempoverminderung automatisch einlegen.

Auf der Automobilschau in Mailand konzentriert sich das Interesse auf die Modelle mit Vierzylinder- Motor. Die Berliner Automobilausstellung vom 11. bis 23. Februar präsentiert 350 Last- und Personenwagen und über 100 Motorräder. Reichskanzler Adolf Hitler kündigt eine allmähliche steuerliche Entlastung des Automobils, einen großzügigen Straßenbauplan und die Förderung des Automobilsports an. Zu den Novitäten gehört der Ford Köln, eine Limousine mit einem Vierzylinder-Motor von 921 ccm Hubraum und einer Leistung von 21 PS sowie der sportliche BMW 303 mit Sechszylinder-Motor von 1182 ccm Hubraum und einer Leistung von 30 PS.

Im Dezember stellt Daimler-Benz mit dem 130 H einen Kleinwagen mit Heckmotor vor. Die Vierzylinder-Maschine mit einem Hubraum von 1,3 l und 26 PS Leistung bringt das 880 kg schwere Fahrzeug auf bis zu 92 km/h. Im September gründet sich die Deutsche Automobil-Treuhand, die in 110 Schätzstellen den Wert von Gebrauchtwagen ermittelt.