Monumentalismus verdrängt in Deutschland Modernität

Architektur 1933:

Herausragendes Ereignis der internationalen Architekturszene des Jahres 1933 ist der vierte Kongress der Architektenvereinigung CIAM, der sich den Problemen der Städteplanung zuwendet. In Deutschland bedeutet der Machtantritt der Nationalsozialisten das Ende einer Epoche des modernen Bauens. Statt rationalistischer Architekturvorstellungen dominiert hier von nun an ein um Größe bemühter Neoklassizismus.

Die Vereinigung CIAM (Congès Internationaux d’Architecture Moderne) wurde 1928 gegründet und will die in vielen Ländern bestehenden Bemühungen um eine neue Architektur vereinigen. Im Juli und August findet an Bord der »Patris II« auf einer Kreuzfahrt zwischen Marseille und Athen der Kongress CIAM IV statt. Er steht unter dem Motto »Die funktionelle Stadt« und will anhand der Analyse von 33 Städten neue Wege zur Lösung urbaner Probleme weisen.

Leitsätze, die besonders von dem CIAM-Mitbegründer Le Corbusier beeinflusst sind, formuliert der Kongress in einer »Charta von Athen«. Gefordert wird eine streng funktionelle Einteilung in verschiedene Stadtzonen mit Grüngürteln zwischen den einzelnen Funktionsgebieten und eine Bebauung mit hohen, weit auseinanderliegenden Apartmenthäusern als dem dominierenden Stadthaustyp. Die vier Hauptfunktionen der Stadt (Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Verkehr) sollen konsequent voneinander getrennt werden.

Das 1932 aus Dessau nach Berlin übergesiedelte Bauhaus wird am 10. August durch seinen letzten Leiter, den Architekten Ludwig Mies van der Rohe, aufgelöst. Viele Hochschullehrer, wie der Architekt Hans Poelzig (Vereinigte Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin), werden entlassen, andere – wie der im März nach Brüssel und von dort aus nach London emigrierte Erich Mendelsohn – verlassen Deutschland.

Als neue Zielsetzung der Architektur im Deutschen Reich proklamiert die NSDAP auf ihrem Reichsparteitag in Nürnberg (3. 9.) eine »rassische Baukunst«. In diesem Sinne werden missliebige Architekten durch das Gesetz über die Einführung der Reichskulturkammer (15. 11.) mit Arbeitsverbot belegt. Richtungweisend für die NS-Architektur ist u. a. das monumentale Haus der Deutschen Kunst in München, dessen Grundsteinlegung am 15. Oktober stattfindet. Es ist ein Werk des Architekten Paul Ludwig Troost.