Paris propagiert V-Silhouette und »Pagodenschultern«

Mode 1933:

Im Jahr der Machtübernahme Adolf Hitlers weisen die deutschen Modezeitschriften darauf hin, »daß es die deutsche Frau nicht nötig hat, ins Ausland zu blicken, und daß die deutschen Modeschöpfer international bedeutsam sind«.

Die »Elegante Welt« (Nr. 26) sieht den Trend in einer Rückbesinnung auf weibliche Formen: »In diesem Winter wird viel von der mütterlichem Mode geredet, und in der Tat sind gewisse Linien so überaus weiblich betont, daß man sich unwillkürlich an die Moden unserer Mütter erinnert fühlt … Durch die grandiosen Wandlungen der ganzen Ideenwelt in Deutschland, die wir alle in den letzten Monaten miterlebten, hat auch die Einstellung zur Frau ein ganz anderes Fundament bekommen. Die Frau ist wieder in erster Linie Mutter … Ganz selbstverständlich ist es, daß die Mode alle diese Wandlungen registriert.« Der parteiideologischen Maxime »Die deutsche Frau schminkt sich nicht« stehen allerdings unzählige Reklamen in- und ausländischer Kosmetikfirmen gegenüber. Modejournale wie »Die Dame« und »Der Silberspiegel« berichten auch ausführlich über die neuesten Modelle Pariser Couture-Häuser wie Schiaparelli, Patou, Ricci, Vionnet, Hermès, Chanel oder Grès. Redakteure und Modeschaffende fahren weiterhin nach Paris. Eine elegante, feminine Mode wird in Deutschland durchaus befürwortet.

Am deutlichsten beeinflusst ist die Mode in diesem Jahr von Elsa Schiaparellis breiten »Pagodenschultern«, deren Form sich an die buddhistischen Stockwerkbauten anlehnt. Die Silhouette soll ein deutliches V bilden. Das wird erreicht mit Hilfe von Epauletten und über die Schultern stehenden Zacken. Der Oberkörper wird zudem durch große Puffärmel und weite, die Oberarme umschließende Kragen sowie durch Rüschen, Falten oder kurze Boleros betont. Schiaparelli stellt mit ihren aufsehenerregenden Ideen alle anderen Modeschöpfer in den Schatten: Als Kopfbedeckung schlägt sie Filzsocken vor, Fasanenfedern als Schulterdekor und Kupferklammern als Knöpfe.

Neben Kleidern gehören luftige Blusen oder sportlich wirkende Strickjumper mit Rippeneffekten und runden Knöpfen aus Galalith, Horn oder Glas zur weiblichen Grundgarderobe. Kostüme haben eine taillierte Jacke mit Gürtel und sind oft aus quer verarbeitetem Karowollstoff.

Die Herrenmode ist ebenso von der schlanken Silhouette geprägt. Sakkos und Mäntel sind stark tailliert, die Revers kurz und breit, so dass der Oberkörper zur Geltung kommt. Eine Ausnahme bildet der durchgehend sehr bequem und weit geschnittene Ulster. Die Hosen sind gerade und weit und weisen meist eine Stulpe auf. Bei Sakkoanzügen ist Nadelstreif Favorit.