Staatsdarlehen für Inneneinrichtung

Wohnen und Design 1933:

Trotz der wiederbelebten Baukonjunktur herrscht vor allem in den deutschen Großstädten Mangel an preiswertem Wohnraum. So wird in Berlin die Zahl derjenigen Familien, die aus Geldmangel ihre Wohnung gekündigt haben und in »wilden« Laubensiedlungen leben, auf rund 40 000 geschätzt. Durch den staatlich geförderten Bau von 7544 Wohnungen im Jahr 1933 bemüht sich die Stadt um eine Behebung dieses Notstands.

Die Reichsregierung fördert durch Ehestandsdarlehen die Familiengründung und prägt durch die Bedingungen für die Darlehensvergabe den Wohnstil dieser Jungfamilien.

Auf der großen Haushalts-Ausstellung im Oktober in Berlin wird unter dem Motto »Der Haushalt im Gesamtwert von 1000 Reichsmark« eine auf die Bedingungen des Ehestandsdarlehens abgestellte Inneneinrichtung vorgeführt. Sie bietet in einfacher, aber solider Qualität eine komplette Wohnungseinrichtung für ein bürgerliches junges Ehepaar. Die Ausstattung besteht aus einem Wohnschlafzimmer mit samtbezogenen Couches, Schreibtischschrank, Teppichen und Gardinen sowie einer Wohnküche inklusive Geschirr, Besteck, Blechwaren, Waschgerät, Kaffeemühle, Fleischwolf, Elektrobügeleisen, feuchtigkeitssicherer Küchenleuchte und anderem Zubehör. Das Idealbild einer deutschen Wohnungseinrichtung orientiert sich an dem sog. Volksmöbel, das aus heimischen Hölzern – vor allem Eiche – gefertigt ist und eine schlichte Gemütlichkeit ausstrahlen soll. Sofern Verzierungen geduldet werden, müssen sie in handwerklichen Traditionen wurzeln. Einen ganz anderen Wohnstil zeigt der 1933 nach dreijähriger Arbeit von dem deutschen Architekten Eckart Muthesius eingerichtete Palast des indischen Maharadschas von Indore. Der Palast selbst ist im englischen Landhausstil gehalten, die Inneneinrichtung orientiert sich am französischen Art déco mit seinem eleganten, stromlinienförmigen Design unter Verwendung kostbarer Materialien.