Volkstum statt Vielfalt

Werbung 1933:

Ebenso wie andere Wirtschaftsbereiche wird auch die kommerzielle Werbung in Deutschland gleichgeschaltet. Während sich im westlichen Ausland die Werbungtreibenden ganz auf die produkt- und zielgruppenadäquate Gestaltung ihrer Werbebotschaften konzentrieren, legt das NS-Regime den deutschen Reklameexperten Zügel an.

Auf einer am 30. April in Berlin abgehaltenen Tagung der Nationalen Gruppe im Deutschen Reklame-Verband (DRV), dessen Mitglieder jährliche Werbegelder in Höhe von rund 2,5 Mrd. Reichsmark umsetzen, fordert der Chef der Nationalen Gruppe im DRV, Richard Wagner, den Einsatz der Werbekräfte für »die von der nationalen Revolution umgestaltete deutsche Wirtschaft«. Die Reklame soll künftig nicht mehr einem falsch verstandenen »Amerikanismus« nacheifern, sondern ihre Anregungen aus dem Volkstum beziehen.

Der Kampf gilt dem Kitsch in der Werbung. Verstärkt sollen Bilder deutscher Städte und Landschaften als Anzeigenmotive verwendet werden. Grundsätzlich gilt, dass Deutsche nur in Deutschland produzierte Waren kaufen sollten.

Den Weg zur zentralen Steuerung der deutschen Wirtschaftswerbung bahnt ein Reichsgesetz vom 12. September. Künftig bedarf jeder, der im Deutschen Reich werblich tätig sein will, der Erlaubnis durch den Werberat der deutschen Wirtschaft.

Der Werberat untersteht dem Reichspropagandaministerium und wird am 30. Oktober in Berlin in sein Amt eingeführt.

Dabei fordert Reichswirtschaftsminister Kurt Schmitt von jedem Werbungtreibenden die Erkenntnis, dass ein harmonisches Miteinander der Konkurrenten die beste Grundlage auch des eigenen Erfolges sei. Das oberste Werbegremium wird geleitet von Ministerialdirektor Ernst Reichard. Zu seinen ersten Aufgaben gehört die Normung des Anzeigengeschäfts von Zeitungen und Zeitschriften und die Einführung einer Publizitätspflicht bei Auflagen von Presseorganen.