Führerprinzip auch in Wirtschaftsunternehmen

Arbeit und Soziales 1934:

Das Gesetz zur nationalen Arbeit, das am 1. Mai 1934 in Kraft getreten ist, hat im Deutschen Reich eine neue rechtliche Grundlage für die Arbeitswelt geschaffen. Mit dem Inkrafttreten sind u.a. das Betriebsrätegesetz, die Tarifvertrags- und die Schlichtungsverordnung außer Kraft gesetzt und neue Prinzipien in die Betriebsverfassung eingeführt:

Führerprinzip: Nach dem neuen Gesetz ist der Unternehmer »Führer« des Betriebs. Die Angestellten und Arbeiter stehen als »Gefolgschaft« zum Führer im Treueverhältnis. Sie arbeiten gemeinsam zur Förderung der Betriebszwecke und »zum gemeinen Nutzen von Volk und Staat«, wobei der Führer in allen betrieblichen Angelegenheiten entscheidet.

Vertrauensrat: Bei Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten werden aus der Gefolgschaft »Vertrauensmänner« gewählt. Unter der Leitung des Führers bilden die Vertrauensmänner den Vertrauensrat, der dafür sorgt, dass »das Vertrauen in der Betriebsgemeinschaft vertieft« wird, und Maßnahmen berät, die der Steigerung der Arbeitsleistung dienen.

Ehrengerichtsbarkeit: Das Gesetz schafft den Begriff der sozialen Ehre. Verletzungen gegen gewissenhafte Pflichterfüllung werden durch »Ehrengerichte« gesühnt. Derartige Verstöße gegen die soziale Ehre liegen z. B. vor, wenn die Gefolgschaft durch »böswillige Verhetzung« den Arbeitsfrieden gefährdet oder den Gemeinschaftsgeist böswillig stört.