»Konkretes Denken« statt »intellektualistischer Spielerei«

Wissenschaft und Technik 1934:

Freie Forschung in Wissenschaft und Technik ist im NS-Staat nicht mehr möglich. Die Forschungsarbeit steht »im Dienste der Volks- und Kulturgemeinschaft«, die dem Forscher »sowohl die geistigen Voraussetzungen wie die materiellen Mittel bereitstellt«. Der Forscher ist mit seinen Ergebnissen der Gemeinschaft gegenüber verpflichtet. Appelliert wird an den sittlichen Ernst, der den Forscher vor »intellektualistischen Spielereien« bewahren soll, deren Ergebnisse »weder für die Gestaltung des Weltbildes noch für die praktische Verwendung Wert haben«. Im Dritten Reich wird »zweckgerichtete Forschung« betrieben, die festumrissene Parteiziele verfolgt.

Grundlage dieser zweckgerichteten Forschung ist sog. konkretes Denken, worunter die NS-Führung freies, schöpferisches, anschaulich-unmittelbares Denken versteht; verliert das Denken die Verbindung zum Konkreten, wird es abstraktes Denken genannt; abstraktes Denken aber gilt als ein von den tieferen seelischen Kräften abgeschnittenes und damit »entwurzeltes« bzw. »entartetes« Denken. So wird die Relativitätstheorie des Juden Albert Einstein abgelehnt, weil sie »infolge ihres rein begrifflichen und formalen Charakters … wenig praktische Bedeutung erlangen konnte«.

Der Unterschied zwischen arischer und jüdischer Wissenschaft wird so gesehen: »Die arische Wissenschaft sucht eine zunächst offene Frage zu beantworten, wendet feststehende wissenschaftliche Methoden auf einen bekannten Sachverhalt an, um dadurch einen neuen zu erschließen.«

Kennzeichen der jüdischen Wissenschaft sei hingegen »ein völlig widersinniger Formalismus, der vom konkreten Sinn und der Wirklichkeit gänzlich absieht«.

Wissenschaft und technologische Forschung konzentrieren sich im Deutschen Reich angesichts der Forderung nach »konkretem Denken« auf die Entwicklung von Technologien, die sich zur Kriegführung eignen. Das Funknavigationssystem »Knickebein« von Hans Plendl gehört ebenso zu den »Großtaten deutscher Techniker und Wissenschaftler« wie der Feldeffekt-Transistor zur Verstärkung und Schaltung von Signalen. Wissenschaftler in verschiedenen Ländern der Welt beschäftigen sich intensiv mit Fragen der Atom- und Kernphysik. Irène Joliot-Curie, gelingt gemeinsam mit ihrem Mann Frédéric die Entdeckung der künstlichen Radioaktivität, die einen weiteren Fortschritt bei der Kernforschung darstellt.

Eine technische Entwicklung des Jahres 1934, die sich im Alltag vieler Menschen sichtlich auswirkt, ist die Verbesserung der Glühbirne. Die Glühfäden aus Wolfram werden ab sofort um einen flexiblen dünnen Stab gelegt, der wiederum um einen festen dickeren Stab gewickelt wird. Dieses Doppelwendel macht die Glühbirnen heller und länger haltbar.