»Kraft durch Freude« – das erste KdF-Jahr

Urlaub und Freizeit 1934:

Im Deutschen Reich hat der nationalsozialistische Staat ein Jahr nach der Machtübernahme auch die Bereiche Freizeit und Urlaub unter seiner Kontrolle. Im November 1933 wurde die nationalsozialistische Gemeinschaft »Kraft durch Freude« (KdF) mit dem Ziel gegründet, der deutschen Bevölkerung eine »kulturelle Betreuung« während Arbeit, Freizeit und Urlaub zu gewähren. KdF sorgt im Freizeitbereich für Veranstaltungen auf den Gebieten Kunst, Unterhaltung, Brauchtum. Dem offiziellen Programm zufolge soll insbesondere der Arbeiterschaft der Zugang zu allen Zweigen und allen Einrichtungen des Kulturlebens eröffnet werden; dadurch soll umgekehrt der Kunst »ein dankbarer Nährboden im ganzen Volk« entstehen. Auf dem Gebiet der Kunst umfassen die Angebote Theater, Musik künstlerischen Tanz, bei der sog. leichteren Unterhaltung Kabarett, Varieté, Zirkus und Bunte Abende. Erstmals im Frühjahr 1934 durchgeführt werden Seereisen mit Schiffen der KdF-Flotte. Der dritte Bereich in der Zuständigkeit des KdF ist der Sport. Durch »freudebetonte« Leibesübungen sollen die Gesundheit des »schaffenden deutschen Menschen« gestärkt und seine Leistungsfähigkeit und Lebenskraft erhöht werden. Ziele sind die Schaffung von Übungsmöglichkeiten, die Verbilligung des Sportbetriebs, die Erschließung von Sportarten wie Tennis, Rudern und Reiten für alle Bürger. Goebbels räumt am Ende des Jahres ein, dass »der sozialistische Teil« dieses Programms nur zu einem Teil verwirklicht sei. Nach Angaben von Robert Ley (NSDAP), der als Leiter der Deutschen Arbeitsfront auch für KdF verantwortlich ist, verreisen 1934 mit KdF 2,17 Millionen Arbeiter, darunter 80 000 auf Dampfern nach Norwegen und Großbritannien. Eine siebentägige Fahrt von Berlin ins Riesengebirge habe einschließlich Verpflegung pro Kopf 28 Reichsmark (RM) gekostet. Ferner seien 66 700 kulturelle Vorstellungen veranstaltet worden, wobei allein in Berlin 500 000 Arbeiter für 0,70 RM ein Theater besuchten und 700 000 ein Konzert. Das NS-Regime versucht über die Einrichtung von KdF das Leben der Bevölkerung auch im Freizeitbereich zu kontrollieren und zu steuern. Die Bürger sollen keinen Raum finden, der sich dem staatlichen Zugriff entzieht. Die Ankündigung günstiger Urlaubsreisen ist Anreiz für viele, sich an KdF-Veranstaltungen zu beteiligen.