Neue Nationalspeise: Eintopfmahl – deutsches Opfermahl

Ernährung, Essen und Trinken 1934:

»Ein neues Gebiet ist der deutschen Hausfrau für die Entwicklung ihrer Fähigkeiten entstanden: Der Eintopfsonntag gibt allmonatlich Gelegenheit, im beschränkten Rahmen die wirkliche Kunst des Kochens zu entfalten.« Im nationalsozialistischen Deutschen Reich machen Politik und Propaganda auch vor dem Essen nicht halt. Im Rahmen des erstmals durchgeführten Winterhilfswerks soll jede deutsche Familie am ersten Sonntag im Monat, dem Eintopfsonntag, eine schlichte, aber vollwertige, in einem einzigen Topf gekochte Mahlzeit zu sich nehmen. Die Differenz zwischen den Kosten für das Eintopfgericht und dem Preis für eine gewöhnliche Sonntagsmahlzeit wird als Spende an das Winterhilfswerk abgeführt.

Dies ist die »materielle« Seite des Eintopf sonntags, an dem die Deutschen Schusterpastete, Hamburger Frikassee mit Kohl, Kalbsbrust im Topf oder geschmorte Wurstkartoffeln mit Blutwurst aus dem gemeinsamen Topf löffeln. »Ideell« soll der Eintopf der deutschen Volksgemeinschaft dienen. So genügt es laut offizieller Propaganda nicht, dass vermögende Deutsche eine Eintopfspende in Form von Geld geben, aber ihre gewohnte Sonntagsspeise verzehren. Das ganze deutsche Volk soll beim Eintopfgericht bewusst »opfern«.

Die »ernste Opferhandlung« des Eintopfessens wird völkisch-religiös verbrämt: »So wie es ein Volksbrauch geworden ist, an jedem Freitag im Gedenken an den Kreuzestod Christi zu fasten oder wenigstens nur Fisch zu essen«, erläutert die NS-Presse, »so ist auch das Eintopfgericht in kurzer Zeit ein deutscher Volksbrauch geworden. Die deutsche Nation begeht diese ernste Feier zum Gedächtnis an die Toten des Weltkrieges, in dessen Granatfeuer die Volksgemeinschaft aller Menschen deutschen Blutes geboren wurde. So wie damals Offizier und Mann, Arbeiter und Akademiker aus einem Kessel speisten, so vereinigt uns auch heute einmal im Monat das Eintopfessen zu einer Gemeinschaft, die keine Unterschiede der Klasse oder des Standes kennt.« Grund zur Freude haben in diesem Jahr die Winzer. Mit 62 Hektolitern Wein pro Hektar Anbaufläche wird eine Rekordernte eingebracht. Die Lese bringt zudem Weine hoher Qualität hervor.