Schmucklos praktische Wohnmaschinen setzen sich durch

Wohnen und Design 1934:

Viele Menschen wehren sich dagegen, dass die moderne Wohnung zur »Wohnmaschine« degradiert wird. Mit Absicht wird in der Presse immer wieder dieses als brutal empfundene Wort gewählt, um darauf hinzuweisen, dass die mit Maschinen aller Art vollgestellte Wohnung nichts Behagliches, »Feierabendliches« mehr an sich habe: Radiostörfreier Staubsauger mit Mottenvertilgungsdüse, elektrischer Bodeneinwichs- und Blockapparat, wartungsfreier vollautomatischer Kühlschrank und andere Geräte sollen der Hausfrau die Arbeit erleichtern und auch bei der Hausarbeit einen Feierabend ermöglichen. Doch viele Hausfrauen wehren sich gegen diese Neuerungen mit der Begründung, es sei auf die alte Weise gut gegangen und gemütlich gewesen. Sie können sich jedoch dem Argument, neue Geräte könnten sparen helfen, in manchen Fällen nicht verschließen. Beim sog. Turmkocher z. B. werden die Töpfe beim Kochen nicht neben-, sondern übereinandergestellt; dadurch lässt sich Gas sparen.

Auch bei der Möblierung wird die Auswahl an nützlichen und künstlerisch anspruchslosen Gebrauchsmöbeln immer größer, Schnitzereien u. a. Verzierungen werden als unnütze Staubfänger abgelehnt. Die Ausstattung des Korridors mit Garderobengestellen anspruchsvoller Bauart ist angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise nicht mehr zeitgemäß. Gewählt wird ein Ensemble, das Kleiderrechen, Schirmständer, Spiegel und Kästchen als leicht bewegliche Einzelgegenstände in farbigem Lack oder Metall umfasst. Im Wohn- und Essraum zirkuliert der Servierboy als »freundlicher Diener«; aus den umständlichen Etageren früherer Zeit sind praktische Serviertischchen geworden mit »denkenden Rädern«, die sich besonders beim Passieren der Türschwellen bewähren. Auch beim Geschirr wird aufs Praktische Wert gelegt. Fruchtteller im neuen Stil haben eine kleine Seitenabteilung für die Kirschkerne oder den Streuzucker für die Erdbeeren. Die neuen, ganz leichten Zitronenpressen sind demontierbar und lassen den Saft allein durch ein versilbertes Sieb in die Unterschale ablaufen. Der mit einer Sanduhr versehene Eierkocher wird einfach in eine Pfanne gestellt.

Im nationalsozialistischen Deutschen Reich erhält die Hausfrau speziellen Unterricht für die Gestaltung der Wohnung, dieses Fach heißt »Heimtechnik« und lehrt u. a.: In der neuzeitlichen Wohnung wird zweckgemäße Heimtechnik erleichtert durch wegesparende Anordnung der Räume und Stellung der Möbel. Eingebaute Schränke verhüten Staubansammlung, sparen Platz und Arbeit. Unnötige raumverkleinernde Möbel sind zu vermeiden.