Erholung wird »nationale Pflicht«

Urlaub und Freizeit 1935:

Trotz eines durchschnittlichen Jahresurlaubs von nur sechs bis zwölf Tagen gewinnen Urlaub und Reisen im nationalsozialistischen Staat eine wachsende Bedeutung. Reisen wird nicht mehr nur als Luxus, sondern als »nationale Pflicht« verstanden, die dazu beiträgt, das Arbeitsleben effektiver zu gestalten. Die NS-Freizeitorganisation »Kraft durch Freude« (KdF) dient der Umsetzung dieses Anspruches und soll durch ihre diversen Freizeitaktivitäten besonders die Arbeiterschaft in den Nationalsozialismus einbinden. KdF gliedert sich u.a. in ein Sportamt und in das Amt »Reisen, Wandern und Urlaub«. Die Wertschätzung des Sports, der im Rahmen des KdF-Betriebssports zur »rassischen Vervollkommnung« führen soll, zeigt sich auch in der rapide steigenden Zahl von Absolventen des Reichssportabzeichens. Erwarben 1931/32 noch knapp 39 000 Deutsche diesen Leistungsnachweis, so sind es 1934/35 bereits fast 88 000 . Die traditionellen deutschen Urlaubsziele wie die Nord- und Ostseebäder erleben einen regelrechten Touristenboom. KdF-Reisen gehen aber auch gezielt in schwächer entwickelte Regionen wie den bayerischen Wald. Zeltferien auf dem Campingplatz werden modern, die Industrie liefert das Zubehör bis hin zum rostfreien Picknick-Geschirr. Besonders populär sind die relativ billigen – weil hochsubventionierten – KdF-Schiffsreisen ins Ausland. Die Möglichkeit auch für Arbeiter, an Kreuzfahrten, Reisen nach Madeira oder New York teilzunehmen, stützt das Bild vom volksnahen und sozialen NS-Staat. Dabei sind Auslandskontakte durchaus erwünscht. Neben der Hitlerjugend werden sie von Universitäten und Schulen geknüpft. So veranstaltet die Universität Heidelberg 1935 gemeinsam mit britischen Wissenschaftlern einen Ferienkurs »Das moderne England«. Ebenfalls 1935 wird die »Zentralstelle für deutsch-ausländischen Schülerbriefwechsel« gegründet. Die Einrichtung vermittelt bis 1937 insgesamt 25 000 internationale Briefpartnerschaften.