Nürnberger Gesetze machen Juden zu Bürgern zweiter Klasse

Nürnberger Gesetze machen Juden zu Bürgern zweiter Klasse
Aufnahme aus der Menge wahrscheinlich beim Reichsparteitag September 1935, von Kurt Wittig (Privataufnahme) [Public domain], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1935:

Unterschätzt und verkannt wird international ein Ereignis, das weitreichende Folgen für die im Deutschen Reich lebenden Juden hat: Im September 1935 verabschiedet der aus Anlass des NSDAP-Parteitags versammelte Reichstag die sog. Nürnberger Gesetze, die Antisemitismus und Judenverfolgung auf eine gesetzliche Grundlage stellen. Das »Reichsbürgergesetz« und das »Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre«, von Hitler zynisch als Versuch bezeichnet, »ein erträgliches Verhältnis zum jüdischen Volk herstellen zu können«, degradiert Juden zu Bürgern zweiter Klasse. Es schafft zudem einen Rahmen für ihre systematische Diskriminierung, an deren Ende die Vernichtung in Konzentrationslagern steht. Diese Perspektive, die historische Bedeutung der »Nürnberger Gesetze«, wird 1935 weder innerhalb noch außerhalb des Deutschen Reiches erkannt. Obwohl im Vorfeld der Olympischen Spiele 1936 in Berlin der Antisemitismus der nationalsozialistischen Politik zu verschiedenen internationalen Olympia-Boykottbewegungen führt, verlaufen diese Initiativen doch letztlich im Sande.