Bauwerke als Symbole der Macht

Architektur 1936:

Die nationalsozialistische Machtergreifung im Januar 1933 bedeutete für die Entwicklung der Architektur im Deutschen Reich einen tiefen Einschnitt: Der bisher vorherrschende, vom Bauhaus geprägte Stil wird von den Nationalsozialisten als »degeneriert« und »bolschewistisch« abgelehnt und durch einen an griechischen Vorbildern orientierten pompösen Klassizismus ersetzt.

Es begann eine fieberhafte Bautätigkeit, die in einer architektonischen Umgestaltung der Reichshauptstadt Berlin zur künftigen Welthauptstadt gipfeln soll. Im Sommer 1936 wurde der Architekt Albert Speer vom Führer und Reichskanzler Adolf Hitler mit den Entwürfen für eine gigantische Umgestaltung von Berlin betraut, einem Projekt, das sich nach Hitlers eigenen Worten »nur mit dem alten Ägypten, Babylon oder Rom« vergleichen ließe.

Hitlers Absicht ist es, politische Macht in der Architektur zu verkörpern. Die Menschen sollen aus der erdrückenden Größe monumentaler Bauwerke das über sie verhängte Verfügungsrecht des Staates, die baulich organisierte Allgegenwart der den Staat regierenden Partei erfahren. Was in den »Führerstädten« wie Berlin oder Nürnberg durch die bombastischen Zentralbauten erreicht wird, soll in den Provinzstädten durch die architektonische Gestaltung des Ortszentrums mit einer Aufmarschstraße für Parteiparaden, einem Appellplatz, einer Partei-Versammlungshalle, einem Parteidenkmal und einem NSDAP-Verwaltungsgebäude erzielt werden. Das riesige Volumen der öffentlichen Bauaufträge, z. B. Reichsautobahnbau, Staats- und Parteibauten, Bauten für die Olympischen Sommerspiele von Berlin 1936, erstreckt sich allerdings nicht auf den sozialen Wohnungsbau. Gemeinnützige Bauten, z. B. Jugendherbergen, HJ-Heime und Schwimmbäder, entstehen lediglich durch den unentgeltlichen Einsatz der Reichsarbeitsdienst-Kolonnen.

Bis zu seinem Tod 1934 war Paul Ludwig Troost Hitlers bevorzugter Baumeister. An Troosts Stelle ist inzwischen Albert Speer getreten, der mit seinen Bauten das Wesen der nationalsozialistischen Bewegung ausdrücken will.

Die Mehrzahl der bedeutenden deutschen Architekten, Anhänger des Bauhaus-Stils und daher von jeglicher staatlicher Förderung ausgeschlossen, hat das Reichsgebiet 1936 bereits verlassen (z. B. Walter Gropius, Erich Mendelsohn, Bruno Taut), einige, die (noch) im Reich geblieben sind (z. B. Hugo Häring, Hans Scharoun, Ludwig Mies van der Rohe), können nur auf Aufträge mutiger Privatpersonen hoffen.