Facharbeiter knapp

Arbeit und Soziales 1936:

Im Mittelpunkt des Arbeitsjahres 1936 steht im Deutschen Reich der Übergang von der Arbeitslosigkeit zum Arbeitskräftemangel. Die Maßnahmen des nationalsozialistischen Regimes zur weiteren Ankurbelung der Rüstungsproduktion und deren Versorgung mit Arbeitskräften hat besonders in den wichtigen Industriezweigen eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen zur Folge.

Durch die weitere Steigerung der Industrieproduktion im Jahr 1936 (Indexziffer 107 gegenüber 96 im Jahr 1935, 1928 = 100) und den damit erhöhten Bedarf an Arbeitskräften wird die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt kritisch. Neben den Mangel an Arbeitskräften in der Landwirtschaft tritt der Mangel an geschulten Arbeitskräften vor allem in der Eisen-, Metall- und Bauwirtschaft.

Am 7. August 1936 verfügt Arbeitsminister Franz Seldte, dass bis zum 1. September 1936 jeder Arbeitnehmer im Besitz eines sog. Arbeitsbuches sein muss. In dem Arbeitsbuch werden Qualifikation und Berufserfahrung festgehalten. Die Erfassung aller abhängig Beschäftigten (1936 rund 21,5 Millionen) soll die zentrale Lenkung des Arbeitsmarkts ermöglichen.

Ab dem 1. Dezember 1936 wird die Erlaubnis zur Einstellung von Facharbeitern in der Metall- und Eisenindustrie davon abhängig gemacht, ob die Aufträge der betreffenden Betriebe wirtschafts- und staatspolitisch bedeutend sind. Ähnlich restriktive Maßnahmen gelten für das Baugewerbe.

Die Regierungsmaßnahmen bezüglich der Arbeitskraftsicherung bedeuten für die Arbeitnehmer im Deutschen Reich eine weitere Reduzierung ihrer persönlichen Freiheiten. Sie sind in der Tat, wie es im nationalsozialistischen Sprachgebrauch heißt, »Soldaten der Arbeit«, die ihren »Einsatz« finden, wo sie gemäß der Zielsetzung Hitlers und der Wirtschaft gebraucht werden. Zudem verschlechtern sich durch die beschleunigte Produktion gerade in der Metall- und Eisenindustrie die Arbeitsbedingungen. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in der verarbeitenden Industrie steigt 1935 bis 1936 von 44,4 auf 45,6 Stunden, also um 3,6%. Demgegenüber steigen die durchschnittlichen Brutto-Reallöhne der Arbeiter nur um 2,1%. Von 1935 bis 1936 steigt die Zahl der Arbeitsunfälle und Berufserkrankungen um 12,77% an (von 1,35 auf 1,52 Millionen), während sich die Zahl der Beschäftigten nur um 2,97% vergrößert.