Olympische Spiele in Berlin werden zur Propagandaveranstaltung – Schmeling siegt gegen Louis

Olympische Spiele in Berlin werden zur Propagandaveranstaltung – Schmeling siegt gegen Louis
Jesse Owens. Gemeinfrei via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1936:

Ihre politische Unschuld, sollten sie sie jemals wirklich besessen haben, verlieren 1936 die Olympischen Spiele, mit denen das nationalsozialistische Deutschland einen bemerkenswerten Propagandaerfolg verbuchen kann. Die USA und das Internationale Olympische Komitee verwerfen ihre wegen der NS-Rassenpolitik erwogenen Boykottgedanken, die deutschen Veranstalter lassen sich während der Spiele zu einigen oberflächlichen Konzessionen wie der Entfernung antisemitistischer Hetzplakate herbei. Den 150 000 ausländischen Gästen präsentiert sich ein um Gastfreundschaft bemühtes Deutsches Reich, das gleichzeitig stets auf die positive Demonstration seines neuen Regimes bedacht ist. Die sportlichen Erfolge der deutschen Mannschaft tun ein Übriges, um die Spiele für das nationalsozialistische Deutschland zu einem vollen Erfolg zu machen (32 Goldmedaillen).

Max Schmeling By Wm. C. Greene - New York World-Telegram and the Sun [Public domain], via Wikimedia Commons

Max Schmeling By Wm. C. Greene – New York World-Telegram and the Sun [Public domain], via Wikimedia Commons

Manche Bilder von Sportlern sind es, die sich aus dem Jahr 1936 einprägen und zu Bilddokumenten ersten Ranges werden: der explosive Start des Sprinters Jesse Owens etwa, des Superstars der Olympischen Spiele oder – diesmal nicht olympisch – der Augenblick des sensationellen K.-o.-Sieges von Max Schmeling gegen Joe Louis in New York. Während der im Ring jubelnde Schmeling die sportliche Seite dieses Boxkampfes repräsentiert, steht ein anderes, fast ebenso bekanntes Foto für seine politische Instrumentalisierung: das Ehepaar Goebbels gemeinsam mit Schmelings Frau Anny Ondra vor dem Radioapparat, die Daumen für den deutschen Boxer haltend.