»Stromlinienauto für jedermann«

Auto und Verkehr 1936:

Die massive staatliche Förderung der Autoproduktion, der Ausbau des Straßennetzes und die nationalsozialistische Propaganda für die Motorisierung der Gesellschaft führen im Deutschen Reich zu einem wahren Autoboom.

Das Auto soll möglichst schnell – so das Programm des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler – den Charakter eines Luxusartikels verlieren. Dazu sollen seit 1933 die Steuervergünstigungen für Pkw einnahmen sanken von 211,6 Millionen Reichsmark im Rechnungsjahr 1933/34 auf 135,3 Millionen Reichsmark im Zeitraum 1935/36. Zudem kündigt Hitler 1936 einen für alle Bevölkerungskreise erschwinglichen Volkswagen an, der allerdings erst 1940 – als Kübelwagen für die Wehrmacht – vom Band rollt.

Die Produktion von Personenkraftwagen hat sich 1936 gegenüber 1932 versechsfacht. Damit hat die deutsche Autoindustrie eine Steigerungsrate, wie sie in keinem anderen Land erreicht wird. Bei seiner Eröffnungsrede für die Automobilausstellung in Berlin am 15. Februar 1936 betont Hitler die Bedeutung der Autoindustrie für die deutsche Wirtschaft.

Wie die Pkw-Produktion steigen Jahr für Jahr auch die Neuzulassungen. 1936 werden 213 580 neue Personenwagen angemeldet – 18,4% mehr als im Jahr 1935.

Marktbestimmend im Deutschen Reich ist Opel mit 42,8% Beteiligung am Inlandsmarkt. Es folgen Auto-Union mit 24,4% und Daimler-Benz mit 7,25%.

Der für die 30er Jahre bestimmende Trend zur stromlinienförmigen Karosserie zeigt sich auch bei den Wagen des Jahres 1936, obwohl lediglich Adler ein konsequent stromlinienförmiges Modell vorstellt. Bedeutende Neuheiten sind die Einführung des Dieselmotors für Pkw durch Daimler-Benz und Hanomag sowie die Reifen aus Kunstkautschuk (»Buna«), die auf der Berliner Automobilausstellung als Triumph des deutschen Chemie-Konzerns IG Farben gefeiert werden.