Das Naziregime inszeniert sich und seinen „Führer“

Politik und Gesellschaft 1937:

Innenpolitisch herrscht im Deutschen Reich Ruhe vor dem Sturm. Hitlers Regime hat durch massive Rüstungsproduktion und Kriegsvorbereitung die Konjunktur angeheizt. Viele Menschen, die noch wenige Jahre zuvor ohne Arbeit und Perspektive waren, haben nun einen Arbeitsplatz. Wie diese Arbeitsplätze geschaffen wurden und welche Ziele Hitler verfolgt, ahnen nur wenige. Den Rücktritt von Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht im November nimmt die Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis.

Auch Luftschutzübungen und Großmanöver beunruhigen die Bevölkerung kaum. An einen Krieg, der von den Nachbarländern des Deutschen Reiches befürchtet wird, glauben die Deutschen nicht, zumal Hitler nicht müde wird, seinen Friedenswillen zu bekunden. Die letzten Zweifel an den Absichtserklärungen des Regimes werden überdeckt von aufsehenerregenden Großveranstaltungen. Hitler und die NS-Führung inszenieren sich selbst bei jeder Gelegenheit. Tausende von Parteigenossen, Männer des Arbeitsdienstes, Hitlerjungen und -mädchen werden aufgeboten, die Ausrichtung eines Volkes auf einen Mann in Szene zu setzen.

So pathetisch und siegessicher die Nationalsozialisten bei solchen Anlässen auftreten, so brutal reagieren sie doch auf jede Form von Opposition. Als Papst Pius XI. den nationalsozialistischen Terror öffentlich angreift, antwortet Berlin umgehend mit Gewalt- und Terroraktionen gegen Priester, Gläubige und kirchliche Einrichtungen.