Erziehung für den Führer und die Wirtschaft

Bildung 1937:

Die äußere Gleichschaltung der Bildungsinstitutionen Schule und Hochschule ist durch die Einführung des Führerprinzips, Beseitigung der Selbstverwaltung und Zusammenfassung von Schülern, Studenten und Lehrkräften in entsprechenden Verbänden und Gliederungen der NSDAP weitgehend verwirklicht.

Die »Bildungspolitik« von NSDAP und Reichserziehungsminister Bernhard Rust konzentriert sich im Jahr 1937 auf die Zerschlagung von kirchlichen Bildungseinrichtungen, die Durchsetzung nationalsozialistischer Erziehungsideale und die Lenkung des Bildungswesens mit Blick auf die Bedürfnisse der rüstungsorientierten Wirtschaft.

Mit großangelegten Kampagnen des Gesinnungsterrors geht die NSDAP, unterstützt von staatlichen Stellen, gegen die konfessionellen Schulen vor (Elternwahlen). Bereits am 22. Mai 1936 begründete der Leiter des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, Ernst Boepple, Aktionen gegen die Kirche damit, dass »der nationalsozialistische Staat darauf Wert legen müsse, das Unterrichts- und Erziehungswesen ganz in seine Hand zu bekommen«. Als Reaktion auf den Kampf der evangelischen Bekennenden Kirche (BK) gegen das NS-Regime löst der Reichsführer SS (Schutzstaffel) und Chef der deutschen Polizei, Heinrich Himmler, am 30. September 1937 alle Ersatzhochschulen, Arbeitsgemeinschaften sowie die Lehr-, Studenten- und Prüfungsämter der BK auf.

Mit einer Anzahl von Verordnungen wird in diesem Jahr die Umgestaltung der Volksschule zur nationalsozialistischen Gesinnungsschule weitergeführt. Am 10. April gibt das Reichserziehungsministerium »Richtlinien für den Unterricht in den vier unteren Jahrgängen der Volksschule« heraus. Grundlage der ersten beiden Schuljahre soll künftig der nationalsozialistische Heimatkundeunterricht sein. Der Religionsunterricht wird nicht mehr berücksichtigt. Verbindlich für die Lehrer ist selbstverständlich das »nationalsozialistische Erziehungsideal«, d. h. Erziehung zu Härte, Gehorsam, Treue zum Führer, Rassenhass, zur richtigen (NS-)Weltanschauung.

Weitere Verordnungen über die Lehrplangestaltung machen präzise Vorgaben, z. B. für den Geschichts- und Naturkundeunterricht in den 7. und 8. Volksschulklassen. Zu behandelnde Themen sind u. a.: Adolf Hitler, der Führer; Die nationalsozialistische Revolution und das Wunder der Volkswerdung; Die geschichtliche Bedeutung der deutschen Rasse; Maßnahmen zur rassischen Erneuerung.

Die höheren Schulen werden durch einen Erlass vom 20. März vereinheitlicht. Neben der Oberschule für Jungen und der Oberschule für Mädchen gibt es künftig nur noch das altsprachliche Gymnasium für Jungen. Gemäß dem Erlass über die Verkürzung der Schulzeit von 13 auf 12 Jahre aus dem Jahr 1936 wird der Oberschulbesuch auf acht Jahre verkürzt. Damit soll u. a. erreicht werden, dass der Bedarf der Wirtschaft an Akademikern schneller gedeckt wird. Die bildungsfeindliche NS-Politik (»Ein wissenschaftlich wenig gebildeter, aber gesunder Mensch … ist wertvoller als ein geistreicher Schwächling.«; Adolf Hitler in: »Mein Kampf«) und die Restriktionen gegen die Hochschulen haben seit 1933 zu einer Halbierung der Studentenzahlen geführt, was sich in der Wirtschaft besonders durch einen Mangel an Ingenieuren bemerkbar macht.