Deutschland ist Hauptreiseziel

Urlaub und Freizeit 1938:

Die Feriengebiete im Altreich und in Österreich sind auch 1938 die Hauptreiseziele der Urlauber. Nur wenige kommen in den Genuss einer Auslandsreise, für die angesichts des knappen Budgets die NS-Organisation Kraft durch Freude (KdF) der Hauptansprechpartner ist. Auch im Inland müssen viele notgedrungen auf Gruppenreisen von KdF zurückgreifen.

Die zur Verfügung stehende Zeit ist für die Masse der Arbeitnehmer knapp bemessen. Für Arbeiter ist nach einer Betriebszugehörigkeit von sechs Monaten ein Jahresurlaub von sechs Werktagen üblich, bei bis zu zehnjähriger Betriebszugehörigkeit steigert sich das Urlaubssoll auf zwölf bis 15 Tage, bei Angestellten auf 18 Tage.

Arbeitnehmer zwischen 14 und 16 Jahren haben aufgrund des Jugendschutzgesetzes vom 30. April 1938 Anspruch auf 15 Tage Urlaub, 16- bis 18-Jährige dürfen zwölf Tage abwesend sein. Der Urlaub erhöht sich auf 18 Werktage, wenn davon zehn Tage in einem Lager der Hitlerjugend verbracht werden.

Die kleineren Ferienorte locken den zahlenden Gast mit Minipreisen: So ist ein Zimmer in Andernach für 1,50 Reichsmark (RM) pro Tag zu haben (Pension 3,50 RM), in Bad Neuenahr kostet die Vollpension 3,20 RM und in Sankt Georgen im Schwarzwald 4,80 RM.

Teurer wird es da schon in den renommierten Kurorten: Das beste Haus in Wiesbaden verlangt für ein Zimmer 5 RM und Pension 11 RM; mit ähnlichen Preisen muss in Baden bei Wien gerechnet werden. Dies ist für viele – zumal noch die Anreisekosten hinzukommen – nicht erschwinglich: Nach der amtlichen Lohnerhebung beträgt der Durchschnittsbruttoverdienst pro Stunde in der Industrie 81 Reichspfennig. Davon müssen bis zu 30% für Sozialversicherung, Lohnsteuer usw. abgerechnet werden.

Preiswerter reisen lässt sich – jedenfalls auf den ersten Blick – mit der Organisation KdF: So offeriert die sächsische KdF im Februar/März eine 16-tägige Skihüttenfahrt nach Oberbayern für 59,50 RM, eine 14-tägige Harzreise kostet von Hamburg aus 44 RM.

Die Wirte erhalten für Übernachtung und Verpflegung in der Regel einen Satz von 2,50 bis 2,70 RM. Die Teilnehmer zahlen außer den Kosten für die Reise einen Tagessatz von bis zu 3,50 RM, so dass KdF daran noch verdient.

Zu den geringen Preisen können die Wirte naturgemäß keine übermäßige Verköstigung anbieten.

Es häufen sich daher die Klagen von KdF-Reisenden über unfreundliche Bedienung und unzureichende Ernährung am Urlaubsort.