Kaum Zeit und Geld für weite Reisen

Urlaub und Freizeit 1939:

Der Urlaub im Deutschen Reich wird vor allem durch die NS-Organisation Kraft durch Freude (KdF) organisiert, die ihre günstigen Preise in erster Linie durch Großabschlüsse bei Hotels und Gaststätten erzielt, wobei der KdF-Fahrer jedoch vielfach geringere Qualität bei Unterbringung und Verpflegung in Kauf nehmen muss.

Auf der Reichstagung in Hamburg ( 21. 7.) verweist der Leiter der Deutschen Arbeitsfront (DAF), Robert Ley, stolz auf die für 1938/39 veranschlagten über 10 Millionen Teilnehmer an den von KdF organisierten Urlaubsreisen einschließlich Kurzfahrten, Seefahrten und Wanderungen. Besonders attraktiv sind die nur in begrenzter Zahl verfügbaren Auslandsreisen nach Italien und zu den italienischen Besitzungen in Afrika sowie nach Griechenland, Jugoslawien, Spanien, Portugal oder ins Nordmeer. Im Winter 1938/39 besuchen 57 600 Urlauber auf KdF-eigenen Schiffen Italien, im Frühjahr 1939 erholen sich erstmals 26 000 KdF-Urlauber an der italienischen Riviera und am Gardasee.

Für das deutsche Fremdengewerbe bringen die Monate bis Kriegsausbruch eine rückläufige Tendenz: Der ohnehin knapp bemessene Urlaub (Erwachsene in der Regel 6 bis 12 Tage, Jugendliche bis zu 15 Tage) wird durch Dienstverpflichtungen und Überstunden reduziert. Weite Reisen können sich die meisten Arbeiter ohnehin nicht leisten und viele nutzen die freien Tage, um sich daheim zu erholen. Zahlreiche Großstädter fahren aufs Land und helfen den Bauern bei der Ernte, um sich »Beziehungen« zu sichern. Nur ein Traum bleiben für die meisten Volksgenossen Reisen wie die 35-tägige Südamerika-Kreuzfahrt auf der »Cap Arcona« für 1410 Reichsmark. Die Statistik meldet für 1938/39 im Altreich 110,75 Millionen Fremdenübernachtungen (1937/38 waren es 114,84 Millionen), darunter 3,2 Millionen Übernachtungen von Ausländern (5,3). Die 122 statistisch erfassten Seebäder verzeichnen 15,5 Millionen Übernachtungen (15,4), davon 68 000 von Ausländern (1937/38 noch 182 000 ).