Kriegsbedingte Bildungsprobleme

Bildung 1939:

Mangel an geeigneten Ausbildern und Erziehern, Verkürzung des Lehr- und Unterrichtsstoffs, weitere Beeinflussung der Lehrinhalte durch den nationalsozialistischen Staat und Einschränkungen des Lehrangebots durch die Kriegsereignisse prägen die Bildungssituation im Deutschen Reich 1939.

Der Mangel an Lehrern und Hochschuldozenten wird durch die Einberufungen noch stärker spürbar. Im Altreich kommt an Volksschulen im Durchschnitt ein Lehrer auf 42 Schüler, an den Mittelschulen beträgt dieses Verhältnis 1:27 und an Höheren Schulen 1:15.

Um mehr Volksschullehrer zu erhalten, werden im Frühjahr durch das Reichserziehungsministerium vier- bzw. zweijährige Sonderkurse für begabte Volks- und Mittelschüler eingeführt. Nach Kriegsausbruch werden vielerorts Lehrer aus dem Ruhestand zurückgeholt, und begabte Laien oder Primaner und Primanerinnen in Schnellkursen zu Hilfslehrern ausgebildet. In den ersten drei Wochen nach Kriegsbeginn fällt an den meisten deutschen Schulen der Unterricht ganz aus. Die Studentenzahl geht im Herbst-Trimester 1939 gegenüber dem Winterhalbjahr 1938/39 um ein Drittel auf 44 659 zurück, darunter

7560 Frauen. Verstärkt drängen Studienanfänger in die Fachbereiche Medizin und Chemie, weil ein solches Studium in der Regel vor der Einberufung schützt. Allerdings ist das Medizinstudium ebenso wie andere Studiengänge verkürzt worden. Vielfach werden deshalb Klagen über einen zu geringen Wissensstand sowie – nach Kriegsausbruch – über geringe Lernmotivation der Studenten laut. Das Studienjahr an den deutschen Hochschulen dauert auf Anordnung des Reichserziehungsministeriums künftig vom 1. April bis zum 30. März, wobei das Sommersemester bis zum 30. September reicht.

Ab 1. Oktober treten Trimester an die Stelle der Semester, das erste Kriegstrimester dauert bis Weihnachten 1939.

Neben allgemeinbildenden Schulen bestehen im Deutschen Reich Adolf-Hitler-Schulen für 12- bis 18-Jährige und die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten. In den Schulen soll aufgrund eines Abkommens zwischen dem Oberkommando des Heeres und dem NS-Lehrerbund die wehrgeistige Erziehung verstärkt werden. Der schon seit Jahren vom NS-Regime geführte Kampf gegen Privat- und Bekenntnisschulen wird fortgesetzt.