Die »gute Küche« ohne Fett

Ernährung, Essen und Trinken 1940:

»Haushalten mit dem Vorhandenen« lautet auch im zweiten Kriegsjahr 1940 das vom Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft ausgegebene Motto für die Verbraucher. Nach den am 27. August 1939 eingeführten ersten Rationierungen von Nahrungsmitteln im Deutschen Reich stehen auch weiterhin die Bemühungen um Selbstversorgung im Mittelpunkt der nationalsozialistischen Propaganda. Die Sicherung der Lebensmittelversorgung aus heimischem Grund und Boden nach dem sog. Autarkieprinzip nötigt die Bauern, für eine optimale Nutzung ihrer Böden und für einen ausreichenden Viehbestand Sorge zu tragen. Darüber hinaus sollen Aufrufe und Appelle an Kleingärtner und Gartenbesitzer, ihre Flächen anstelle von Zierblumen mit Gemüse zu bepflanzen, einer weiteren Verknappung des ohnehin eingeschränkten Lebensmittelangebots entgegenwirken. Die durchschnittlich zugeteilte Lebensmittelration pro Person und Tag beträgt im Jahr 1940 gerade noch 2000 bis 2300 Kalorien und sichert damit den Grundbedarf eines Menschen zum Überleben. Allerdings bringen die Erfolge der Blitzkriege auch für die Ernährungslage vorübergehend eine erhebliche Verbesserung. So tragen die Importe, vor allem unrationierter Nahrungsmittel aus Dänemark, Frankreich und den Niederlanden in das Deutsche Reich erheblich zur Versorgung der Reichsgebiete bei. Die Nahrungsmittelexporte dieser Staaten verdreifachen sich zwischen 1938 und 1942 nahezu. Reichlicher als in den letzten Friedensjahren erscheinen Gemüse und Obstwaren im Sommer 1940 auf den offiziellen Lebensmittelmärkten.

Das Bestreben der NS-Regierung, eine Hungerkatastrophe wie die im Ersten Weltkrieg zu vermeiden, äußert sich in der Förderung zahlreicher Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Ernährungswissenschaften: Die Erforschung der Zusammensetzung von Vitaminen und ihrer Wirkungsweise, daraus entwickelte neue Methoden in der Gefriertechnik und Konservierung sowie Trocknungsverfahren von Obst und Gemüse sollen die Bevölkerung vor Mangelerscheinungen bewahren und die für eine weitere Kriegführung wichtige »Volksgesundheit« erhalten. Besonders der Gemeinschaftsverpflegung und hier vor allem der Feldküche wird in diesem Zusammenhang größte Aufmerksamkeit geschenkt. Unter der Devise »Ernährung ist so wichtig wie Munition« werden spezielle Lehrgänge für Feld- und Kantinenköche durchgeführt.

Der aufgrund knapper Zuteilung (durchschnittlich 400 g Fleisch und 270 g Fett pro Person und Woche) sich vor allem bei diesen beiden Nahrungsmitteln ausbreitende Schwarzhandel und zunehmende Hamsterfahrten, die Anlage unzulässiger Lebensmitteldepots und das »Schwarzschlachten« können trotz drastischer Strafmaßnahmen gegen diese »Volksschädlinge« im Rahmen der Kriegswirtschaftsverordnung (4. 9. 1939) nicht eingedämmt werden. Auch die vor Festtagen gewährten Sonderzuteilungen von Bohnenkaffee und Fleisch halten viele Menschen nicht davon ab, sich einen angemessenen »Festtagsbraten« auf illegale Weise zu beschaffen.

Zeitungen und Zeitschriften kennen in ihrem Erfindungsreichtum von Rezepten und Tipps für die deutsche Hausfrau, schmackhafte Gerichte auch ohne die sonst notwendigen Zutaten zuzubereiten und sich verstärkt mit den angebotenen Ersatzstoffen anzufreunden, kaum Grenzen: