Forschungen im Dienst des Krieges

Wissenschaft und Technik 1941:

Der Schwerpunkt der technischen Entwicklung und der naturwissenschaftlichen Forschung liegt zumindest in den Ländern Europas und in Japan im Zuge des Zweiten Weltkriegs auf dem Rüstungssektor und hier wiederum besonders beim Bau von Kriegsschiffen, Jagd- und Bombenflugzeugen.

Hatte ein Flottenabkommen zwischen den Siegermächten des Ersten Weltkriegs vom 6. Februar 1922 die Stärke der Seestreitkräfte der USA, Großbritanniens, Japans, Frankreichs und Italiens auf ein Verhältnis von 5:5:3:1,75:1,75 festgelegt, so verlor dieser Vertrag schon im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges seine Bedeutung. Seit 1936 kam es zu einem forcierten internationalen Wettrüsten zur See, das jetzt mit dem Stapellauf des massiv gepanzerten und schwer bewaffneten japanischen Großkampfschiffs »Yamato« seinen technischen Höhepunkt findet. Das 62 316 t große, 263 m lange und 39 m breite Schiff ist das größte Schlachtschiff des Zweiten Weltkriegs.

Fortschritte im Flugwesen gehen in erster Linie vom Deutschen Reich aus. Am 2. April startet in Rostock erstmals ein mit zwei Strahltriebwerken bestücktes Flugzeug, die »He 280«. Am 2. Oktober fliegt ein Pilot der Heeresversuchsanstalt in Peenemünde, Heini Dittmar, mit dem Raketenflugzeug »Me 163« erstmals schneller als 1000 km/h (genau 1003 km/h).

Das Haus Siemens stellt nach zehnjährigen Entwicklungsarbeiten einen ersten voll einsatzfähigen Autopiloten für Flugzeuge vor. Während bisher Instrumente dieser Art die Maschinen allenfalls im Geradeausflug stabilisieren konnten, erlaubt das neue Gerät eine automatische Kurs- und Geschwindigkeitssteuerung unabhängig von Turbulenzen und Trimmänderungen. Am 17. Oktober nimmt in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde der Raketenforscher Eugen Sänger erste – terrestrische – Versuche mit Staurohr-Strahltriebwerken auf. Ebenfalls im Rahmen des Krieges liegen Bestrebungen, die nationale Unabhängigkeit in der Rohstoffversorgung zu erreichen. In den Staaten der westlichen Welt beginnt die Gewinnung von Rohstoffen aus dem Meer. Praktische Erfolge stellen sich bei der Magnesiumgewinnung ein. Einen Markstein setzt der deutsche Ingenieur Konrad Zuse in der elektrischen Rechnertechnik. Er stellt unter der Bezeichnung »Zuse Z 3« den ersten programmgesteuerten Rechner der Welt vor, der in jeder Beziehung zuverlässig funktioniert. Der Computer arbeitet binär und ist mit rund 2000 Relais bestückt. Auf dem Gebiet der Fernsehtechnik, die sich – vorwiegend in den USA – während der 30er Jahre eindeutig vom elektromechanischen zum elektronischen Betrieb entwickelt hat, nimmt der nationale US-amerikanische Fernsehausschuss eine Normung vor: Er setzt 535 Bildzeilen und eine Bildfolge von 30 Bildern pro Sekunde fest. In Großbritannien gelingt mit der Entwicklung des »Terylene« ein Durchbruch auf dem Kunststoffsektor: Die erste Synthetikfaser auf Polyesterbasis wird auf den Markt gebracht.

In den USA nimmt eine Entwicklung ihren Anfang, die in wenigen Jahren weltweite Märkte erschließen und in den 80er Jahren zu ernsthaften Umweltproblemen führen wird: Erstmals wird eine flüssige Substanz – ein Insektizid – mit Treibgas (Freon) aus Spraydosen zerstäubt.