Freizeit und Erholungsurlaub nur noch auf Bezugsschein

Urlaub und Freizeit 1942:

Die Zuteilung eines Erholungsurlaubs unterliegt im dritten Kriegsjahr ebenso wie die Versorgung mit Nahrungsmitteln und anderen Gütern des täglichen Bedarfs einem rigiden Rationierungssystem, dessen Richtlinien am 20. April 1942 vom Staatssekretär für Fremdenverkehr im Deutschen Reich in einer »Anordnung zur Lenkung des Fremdenverkehrs im Kriege« festgelegt worden sind.

So entlassen z. B. die »Münchner Neuesten Nachrichten« vom 9. Juli die Studentenschaft der Universität mit der Ermahnung, dass »Ferien« nicht mit »Freizeit« gleichzusetzen seien, in die Semesterferien. Dabei müsse »oberster Grundsatz für die Durchführung des studentischen Kriegseinsatzes« sein, »jeden einzelnen so einzusetzen, daß er für die Gesamtheit das Höchstmögliche an kriegswichtiger Arbeit zu leisten vermag«. Die Mahnung ist mit dem Aufruf an Studenten und Studentinnen verbunden, sich wie bereits in den Jahren 1940 und 1941 bei den zuständigen Arbeitsämtern für den Einsatz in Rüstungsbetrieben, in der Landwirtschaft und in Lazaretten zu melden.

Mit Ausnahme von ärztlich genehmigten Kuraufenthalten wird die Dauer des jährlichen Erholungsurlaubs auf drei Wochen begrenzt. Alle deutschen Fremdenverkehrsorte sind angewiesen, ihre verfügbaren Betten in erster Linie Fronturlaubern vorzubehalten. Zu den sodann bevorrechtigten Personen zählen Beschäftigte der Rüstungsindustrie, Schwerstbeschädigte und Hinterbliebene von Gefallenen mitsamt ihren Angehörigen. Ebenfalls bevorzugt werden Ausgebombte, Mütter mit Kindern bis zu drei Jahren sowie alte und gebrechliche Menschen. Jeder Ferienaufenthalt ist auf der Reichskleiderkarte einzutragen.

Trotz dieser Einschränkungen stellt die Unterbringung von Ferienreisenden das Hotel- und Gaststättengewerbe im Deutschen Reich vor große Probleme, da über 50% der verfügbaren Betten für »kriegswichtige« Zwecke benötigt werden. So sind zahlreiche Hotels in Fremdenverkehrsgebieten zu Hilfslazaretten umfunktioniert worden, andere dienen ausschließlich der Unterbringung Evakuierter aus zerbombten Städten, wieder andere werden vom Erholungswerk der Deutschen Arbeitsfront (DAF) oder durch Aktionen wie die Kinderlandverschickung belegt und sind damit vollständig ausgelastet.

Wer im Sommer 1942 die Voraussetzungen für einen Erholungsurlaub nicht erfüllt, bekommt die Auswirkungen der kriegswirtschaftlichen Umstellung des gesamten öffentlichen Lebens im Deutschen Reich auf den Erholungs- und Freizeitbereich ebenfalls empfindlich zu spüren. Personen, die an freien Wochenenden verbotene Vergnügungsreisen mit der Reichsbahn unternehmen, müssen außer mit chronisch überfüllten Zügen stets mit unvorhergesehenen Kontrollen durch die Geheime Staatspolizei (Gestapo) rechnen. Im Bereich kommunaler Freizeitangebote machen sich besonders die Dienstverpflichtungen für die Rüstungsindustrie bemerkbar. So suchen viele Freibäder in den Sommermonaten nach weiblichem Aushilfspersonal. Aus Personalmangel müssen andere Freibäder ganz schließen oder ihre Öffnungszeiten zumindest sehr stark einschränken.

Von der Presse werden die Einschränkungen im Reiseverkehr und beim Freizeitangebot mit permanenten Hinweisen auf die Notwendigkeit der Anspannung aller Kräfte für den »Endsieg« propagandistisch gerechtfertigt.