Kultureller Exodus: Bedeutende Künstler im außereuropäischen Exil

Politik und Gesellschaft 1942:

Gegenüber den weltweiten Schrecken des Krieges und den Gräueltaten der Deutschen in den eroberten Gebieten Europas verblassen im dritten Kriegsjahr Ereignisse aus Kultur, Sport und Unterhaltung zu unbedeutenden Randerscheinungen. Auf dem europäischen Kontinent erstickt die nationalsozialistische Gewaltherrschaft ohnehin jede Regung künstlerischer Autonomie, die den engen Rahmen der völkisch-rassistischen Ideologie sprengt. Werke wie die Erzählung »Der Fremde« von Albert Camus oder der Film »Ossessione« von Luchino Visconti erscheinen im Untergrund, werden verboten oder verstümmelt. Die Mehrheit der bedeutendsten Vertreter moderner Kunst und Literatur lebt seit Jahren im außereuropäischen Exil wie Thomas Mann, Anna Seghers, Marc Chagall, Max Ernst und George Grosz.

Ereignisse, die in Friedenszeiten die Menschen bewegen, wie der Brand des größten Schiffes der Welt, der »Normandie«, im New Yorker Hafen oder das Großfeuer in einem Bostoner Nachtclub, bei dem fast 500 Menschen zu Tode kommen, verschwinden gegenüber der weit grausigeren Realität des zum Alltag gewordenen Kriegsgeschehens.