Lehrermangel und sinkendes Bildungsniveau

Bildung 1942:

Die Situation im Bildungswesen des Deutschen Reichs ist in diesem Jahr zum einen durch eine Reihe weiterer Maßnahmen zur Unterordnung der Schule unter die Prinzipien des NS-Staates, zum anderen durch kriegsbedingte Einschränkungen im Lehrbetrieb gekennzeichnet.

Im Frühjahr 1942 tritt der erste Jahrgang der »Adolf-Hitler-Schulen«, deren Ziel die Heranbildung eines den Prinzipien des Nationalsozialismus blind ergebenen Nachwuchses ist, ins Berufsleben. Am 9. März 1942 verfügt ein Erlass des Reichserziehungsministeriums die Streichung der Religionsnote aus allen Zeugnissen. Im Juni ordnet ein weiterer Erlass die Einrichtung der als Ausleseschule konzipierten Hauptschule im Deutschen Reich zum Schuljahr 1942/43 an. Am 30. Juni werden die letzten jüdischen Schulen im Deutschen Reich geschlossen.

In allen deutschen Schulen ist Unterrichtsausfall an der Tagesordnung. Am häufigsten betroffen sind Fächer wie Zeichnen und Religion. Viele Schulen werden ganz geschlossen, Klassenräume zu Notlazaretten umfunktioniert. Oft werden Schüler zweier Schulen in einem Gebäude unterrichtet, wobei ein Teil der Schüler vormittags, ein anderer Teil nachmittags die Schule besucht. Da immer mehr Lehrer zur Front eingezogen werden, steigt das Durchschnittsalter in den Kollegien. So sind 50% der Berliner Volksschullehrer über 50 Jahre alt. Da viele Lehrer zusätzliche Aufgaben im Luftschutz oder bei einer der unzähligen Sammlungen übernehmen, darüber hinaus Klassen wegen Lehrermangels zusammengelegt werden, so dass z. T. 50 Schüler in einer Klasse sitzen, sinkt das Niveau des Unterrichts. Auch von den deutschen Hochschulen kommen in diesem Jahr zahlreiche Klagen über zunehmenden Dozenten- und Assistentenmangel sowie über das sinkende Bildungsniveau der Studierenden. Häufig kommen Beschwerden über das »unreife und alberne Betragen« der zahlreichen weiblichen Studenten, wenngleich der steigende Frauenanteil an deutschen Hochschulen angesichts der durch Einberufungen sinkenden Studentenzahlen vielfach auch begrüßt wird. Allerdings befürchten viele Dozenten die Zweckentfremdung der Universität als »Heiratsinstitut« bzw. mangelnden Ernst im Studium, während die geheimen Lageberichte des Sicherheitsdienstes der SS von einer »Flucht vor der Fabrik in den Hörsaal« sprechen. Den größten Andrang an weiblichen Studierenden verzeichnen im Sommersemester 1942 an der Mehrzahl der deutschen Hochschulen die medizinischen und philosophischen Fakultäten.