Die ersten Weichen für den Wiederaufbau werden gestellt

Architektur 1943:

Im Bombenhagel der alliierten Luftangriffe kommt die Neubautätigkeit im Deutschen Reich praktisch zum Erliegen. So werden die Bauarbeiten an der für 60 000 Besucher geplanten Kongresshalle in Nürnberg 1943 eingestellt. Die Arbeit der Architekten konzentriert sich auf Fragen des Wiederaufbaus. Ende des Jahres wird Albert Speer von Adolf Hitler offiziell mit dieser Aufgabe betraut. Wiederaufbau – das heißt 1943 aber nur notdürftige Wiederherstellung beschädigter Gebäude und Errichtung von Behelfsheimen für Ausgebombte. Wiederaufbau ist auch in den anderen durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Staaten das Gebot der Stunde. In Großbritannien wird ein zentrales »Town and Country Planning Ministry« geschaffen. In der Sowjetunion wird ein staatlicher Ausschuss für das Bauwesen zur Leitung des Wiederaufbaus eingerichtet.

Mit erwähnenswerten neuen Bauwerken können dagegen einige neutrale bzw. von Kriegszerstörungen nicht direkt betroffene Länder aufwarten. Einen ersten richtungsweisenden Beitrag zur Architektur der Moderne kann Brasilien präsentieren: Das seit 1937 im Bau befindliche Ministerium für Erziehung und Gesundheit in Rio de Janeiro wird 1943 fertiggestellt. Beeinflusst von Le Corbusier, haben an diesem Projekt die bedeutendsten brasilianischen Architekten mitgewirkt: Lucio Costa, Oscar Niemeyer, Affonso Eduardo Reidy. Niemeyer stellt zugleich mit der Kirche Sao Francisco in Pampulha bei Belo Horizonte eines der ersten Bauwerke vor, bei denen der kubistisch geprägte sog. Internationale Stil mit den auf Plastizität und Monumentalität abzielenden Linienverläufen des sog. Plastischen Stils konfrontiert wird.

Ein herausragendes Beispiel des Plastischen Stils ist auch das Guggenheim-Museum in New York, ein Werk des US-amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright. Wright erhält 1943 von dem Unternehmer und Kunstmäzen Solomon R. Guggenheim den Auftrag zur Erarbeitung eines Entwurfs für das Museum (1956 – 1959 erbaut).

Zu den wichtigen Bauten des Jahres zählt auch Ludwig Mies van der Rohes Minerals and Metals Research Building am Illinois Institute of Technology in Chicago (1942/43). Es ist – wie auch die anderen von Mies van der Rohe zwischen 1938 und 1958 gestalteten Institutsgebäude – ein Beispiel der sog. Skin- und Skeletonbauweise: Die sichtbaren tragenden Teile aus Stahl oder Stahlbeton bilden gleichsam ein Skelett, die füllenden Wände aus Glas oder Backstein die Haut.