Ferienreisen unterliegen immer größeren Beschränkungen

Urlaub und Freizeit 1943:

Die Reisemöglichkeiten der Deutschen werden durch den Krieg stark beschränkt. Urlaub findet weitgehend in Form von Ausflügen in die nähere Umgebung statt. Die Mobilisierung der »Heimatfront« führt zu einer Verringerung des Jahresurlaubs bei den staatlich wie bei den privatwirtschaftlich Beschäftigten. Der Urlaubsanspruch für Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes beträgt nur noch 14 Tage, bei vor dem 1. April 1894 Geborenen 20 Tage. Der Urlaubsbeginn wird zwischen dem 1. Mai und dem 30. September auf die Wochentage Dienstag bis Freitag festgelegt. Der Urlaub wird nur gewährt, wenn der Vorgesetzte die Erholungsbedürftigkeit konstatiert und der jeweilige Mitarbeiter abkömmlich ist. Entsprechende Regelungen gelten auch in den privaten Unternehmen.

Die Sommerferien der Schulen im Deutschen Reich beginnen – regional gestaffelt – an drei verschiedenen Terminen, um die für Kriegszwecke benötigten öffentlichen Verkehrsmittel wie die Eisenbahn nicht zu überlasten. Zu Ostern, am Pfingstwochenende und über Weihnachten/Neujahr werden die Reiseaktivitäten per Verordnung beschränkt, um insbesondere die Fernzüge freizuhalten. Gleichwohl ist der Reiseverkehr etwa über Pfingsten der stärkste seit Beginn des Krieges. Dazu trägt u. a. die Urlaubssperre bei der Wehrmacht bei: Die Familien der Soldaten besuchen die Männer in den Garnisonen. Darüber hinaus machen Gerüchte über noch schärfere Beschränkungen und über bevorstehende Fahrpreiserhöhungen die Runde – Grund genug, die vielleicht letzte Gelegenheit für eine Reise wahrzunehmen.

Ende des Jahres wird der Zugang zu Heilbädern und Kurorten auf Bedürftige beschränkt, die in Rüstungs- oder kriegswichtigen Betrieben arbeiten; ein ärztliches Zeugnis über die Notwendigkeit der Kur reicht nicht mehr aus. Noch im Sommer meldet das Deutsche Nachrichten-Büro: »Die Kur- und Erholungsorte, insbesondere auch die Heilbäder in Deutschland, sind überfüllt.« Ebenso überlastet sind das ganze Jahr über die Hotels; anstelle von Feriengästen finden hier jetzt vornehmlich Bombengeschädigte ein Quartier.

Die Freizeitbedürfnisse der Deutschen richten sich auch in diesem Jahr besonders auf Vergnügungsstätten wie Kinos, Theater, Konzertsäle und Kabaretts.