Alliierte erörtern bereits die Nachkriegsordnung

Politik und Gesellschaft 1944:

Mit dem raschen militärischen Vormarsch der Alliierten und der zu erwartenden Niederlage des Deutschen Reiches rückt die Frage der Nachkriegsordnung in Europa und der Behandlung des Deutschen Reiches nach der Kapitulation immer stärker in den Vordergrund. Vor allem Churchill ist beunruhigt, da er befürchtet, dass Stalin seine militärische Vormacht nutzen könnte, um Südosteuropa unter seinen Einfluss zu bekommen. Roosevelt ist jedoch vollauf damit beschäftigt, die US-amerikanische Machtposition im Pazifikraum auszubauen und Japan endgültig niederzuringen, so dass er auf die Europa betreffenden Überlegungen kaum eingeht. Churchill entschließt sich deshalb zu direkten Verhandlungen mit Stalin. Er reist nach Moskau und einigt sich mit dem sowjetischen Staatschef darauf, die Einflusszonen in Südosteuropa aufzuteilen. Großbritannien bekommt Griechenland zugesprochen. Churchill kann die von ihm favorisierte Regierung von Georgios Papandreou jedoch nur unter Inkaufnahme eines Bürgerkriegs durchsetzen. Als größtes Problem erweist sich Polen: Stalin fordert alle Gebiete östlich der »Curzon-Linie«, was eine Westverschiebung des Landes bedeutet, und erklärt das prosowjetische »Lubliner Komitee« anstelle der polnischen Exilregierung in London zur einzig rechtmäßigen Regierung des Landes.