Das Wort vom „Eisernen Vorhang“ entzweit die Kriegspartner: Der Kampf der Systeme beginnt

Politik und Gesellschaft 1946:

Im Bündnis der vier alliierten Siegermächte des Zweiten Weltkrieges zeigen sich 1946 erste Risse. Aus Enttäuschung über die zu geringe Kooperationsbereitschaft der UdSSR in den Vereinten Nationen orientiert sich die Regierung der Vereinigten Staaten in ihrer Außenpolitik um. Im März löst eine außenpolitische Grundsatzrede des früheren britischen Premierministers Winston Churchill heftige gegenseitige Angriffe zwischen den Westmächten und der UdSSR aus. Churchills Wort vom »Eisernen Vorhang«, der sich zwischen Stettin an der Ostsee und Triest an der Adria über Ost- und Südosteuropa gesenkt habe, führt in der Sowjetunion zu scharfen Reaktionen. Der sowjetische Staats- und Parteichef Josef W. Stalin nennt Churchill in diesem Zusammenhang einen »Kriegsbrandstifter«.

In zahlreichen Regionen der Welt spitzt sich der Machtkampf zwischen kommunistischen und bürgerlichen Kräften zu. In China verschärft sich der Bürgerkrieg. In den Ländern Osteuropas bahnen sich entscheidende Kraftproben zwischen beiden politischen Richtungen an.

Viele Staaten der Erde spüren noch immer unmittelbar die weitreichenden Folgen des Zweiten Weltkrieges. In den USA wachsen wegen der Umstellung der Wirtschaft auf die Friedensproduktion die sozialen Spannungen. Großbritannien sieht sich mit zunehmenden Unabhängigkeitsbestrebungen in seinem Kolonialreich konfrontiert. Frankreich leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise und ist auf ausländische Hilfe angewiesen.