Deutsche leiden unter großer Wohnungsnot

Wohnen und Design 1946:

Neben der angespannten Ernährungslage ist im Deutschland des Jahres 1946 die Wohnungsnot eines der drückendsten Probleme. Aufgrund von Kriegseinwirkungen sind in den meisten deutschen Städten über 50% des Wohnraums zerstört. Der Mangel an Wohnungen verschärft sich im Laufe des Jahres immer weiter, da Hunderttausende von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den Gebieten östlich von Oder und Neiße und aus osteuropäischen Staaten in die vier Besatzungszonen Deutschlands strömen. Sie alle müssen irgendwo untergebracht werden. In den Städten und auch auf dem Land leben zumeist mehrere Familien in einer Wohnung zusammen. Nicht selten müssen sich zwei Familien sogar einen Raum teilen. Als Folge der beengten Wohnverhältnisse kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Bewohnern. Das Familienleben hat darunter stark zu leiden – einer der Gründe für die hohe Scheidungsrate. Viele Kinder halten sich lieber auf der Straße als in engen und lauten Wohnungen auf, so dass bei ihnen die Gefahr der Verwahrlosung besteht.

Da der Wiederaufbau aufgrund fehlender Arbeitskräfte und Materialknappheit nur schleppend vorankommt, ist auf absehbare Zeit keine durchgreifende Verbesserung der Wohnungssituation zu erwarten. Zur Linderung der größten Wohnungsnot sind von den britischen und US-amerikanischen Besatzungsbehörden sog. Nissenhütten als behelfsmäßige Unterkünfte aufgestellt worden.

Großer Mangel herrscht auch an Möbeln und Haushaltswaren. Hier versuchen sich viele Deutsche durch Improvisationen zu behelfen. Wehrmachtshelme werden zu Kochtöpfen umgearbeitet; aus leeren Blechdosen entstehen Gaskocher oder Tassen. Wer über genügend handwerkliches Geschick verfügt, kann seinen Hausrat auf diese Weise ohne großen Kostenaufwand ergänzen und auf dem Schwarzmarkt durch den Verkauf der verfertigten Gegenstände sogar einigen Gewinn erzielen.