Erste freie Wahlen in Deutschland, Gründung der SED und Nürnberger Prozesse

Erste freie Wahlen in Deutschland, Gründung der SED und Nürnberger Prozesse
Auf der Anklagebank in Nürnberg: Göring, Heß, von Ribbentrop, Keitel (vorne), Dönitz, Raeder, von Schirach und Sauckel (dahinter). By English: Work of the United States Government [Public domain], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1946:

1946 finden in Deutschland die ersten freien Wahlen seit 1932 statt. Die Bevölkerung stimmt ab über die Zusammensetzung der Kommunalparlamente sowie der Landtage. In Bayern, Württemberg-Baden und Hessen finden außerdem Volksabstimmungen über neue Landesverfassungen statt.

Wichtige politische Weichenstellungen erfolgen auch in der sowjetischen Zone. Dort vereinigen sich im April die Sozialdemokratische Partei und die Kommunistische Partei zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Nur die Berliner Sozialdemokraten bleiben selbstständig.

1946 ist auch ein Jahr der Abrechnung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands. Am 1. Oktober fällt der Internationale Gerichtshof in Nürnberg im Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher zwölf Todesurteile. In mehreren deutschen Städten finden Prozesse gegen Wachmannschaften deutscher Konzentrationslager statt. Ferner müssen sich viele Deutsche im Rahmen der Entnazifizierung vor Spruchkammern verantworten.

Im Gegensatz zum tristen Alltag blüht das kulturelle Leben in Deutschland auf. Die Theater- und Konzertsäle sind wieder überfüllt. Nach zwölfjähriger erzwungener geistiger Isolierung nehmen die Deutschen mit Neugier und großem Interesse die Werke ausländischer Maler, Komponisten und Schriftsteller auf. Presse und Rundfunk entwickeln eine lange entbehrte Vielfalt.