Folgeprobleme des Zweiten Weltkriegs

Arbeit und Soziales 1946:

Krieg, Zusammenbruch und Besatzungsherrschaft haben zu erheblichen Verzerrungen des Arbeitsmarktes geführt. Die Industrieproduktion, die 1945 fast vollständig zum Stillstand gekommen war, hat ein Jahr später erst wieder ein Drittel des Standes von 1936 erreicht. Dagegen ist die Bevölkerung in den drei Westzonen von 39,3 Millionen im Jahre 1939 auf 43,7 Millionen 1946 gestiegen. An Arbeitskräften besteht vor allem wegen des Zustroms von Flüchtlingen aus den Ostgebieten und der heimkehrenden Kriegsgefangenen kein Mangel. In der britischen und in der US-amerikanischen Besatzungszone ist die Zahl der Arbeitskräfte gegenüber 1939 um über 14% auf nun 22 780 000 gestiegen. Allerdings beträgt der Anteil der erwerbstätigen Bevölkerung in diesen Zonen nur noch rund 40% gegenüber 50% bei Kriegsbeginn. Die Arbeitslosenzahl steigt auf 1,6 Millionen im Jahresdurchschnitt; 1939 hatte sie bei nur 60 000 gelegen. Hinzu kommen noch rund zwei Millionen nicht registrierte Erwerbslose. Ein Überangebot an Arbeitskräften besteht vor allem auf dem Land und überall dort, wo Demontagen, Rohstoffknappheit und Kriegszerstörungen die Industrieproduktion beeinträchtigen. Akuter Arbeitskräftemangel herrscht dagegen im Kohlebergbau.

Anreize zur Steigerung der Arbeitsleistung sind in diesem Jahr kaum vorhanden. Die Wiedereinführung des Achtstundentages durch die Besatzungsmächte ändert daran nur wenig. Ein 1939 verfügter Lohn- und Preisstopp bleibt bestehen. Für das nahezu wertlose Geld gibt es bei einem Durchschnitts-Stundenlohn von lediglich 90 Reichspfennig kaum etwas zu kaufen.

Die soziale Lage der Deutschen ist 1946 alles andere als gut. Infolge der katastrophalen Ernährungssituation sind die meisten Menschen unterernährt und daher schnell entkräftet; das Durchschnittsgewicht der Männer in der britischen Besatzungszone liegt bei nur 51 kg. Negative Auswirkungen auf die gesundheitliche Konstitution hat ferner der Energienotstand: Viele Wohnungen können infolge Brennstoffmangels im Winter nicht beheizt werden; die Menschen müssen frieren. Der Wohnraum ist überbelegt. 1939 teilten sich noch – statistisch gesehen – 3,7 Deutsche eine Wohnung. 1946 sind es durchschnittlich 5,7 Bewohner.