Zerstörte Schulen und Lehrermangel

Bildung 1946:

1946 findet überall in Deutschland wieder Schulunterricht statt. Auch die Hochschulen haben im Wintersemester 1945/46 den Lehr- und Forschungsbetrieb wieder aufgenommen. Dennoch befindet sich das deutsche Bildungswesen auch weiterhin in einem desolaten Zustand. An manchen Universitäten können die Studenten ihr Studium erst aufnehmen, nachdem sie sich mehrere Monate am Wiederaufbau ihrer Institute beteiligt haben. Viele Schulgebäude sind zerstört oder müssen – zumeist als Flüchtlingsunterkünfte – anderweitig genutzt werden. In den verbliebenen Klassenräumen drängen sich nicht selten bis zu 150 Schüler. Unter diesen Bedingungen ist natürlich ein geregelter Schulunterricht kaum denkbar. Ein großes Problem ist auch der beträchtliche Lehrermangel. Auf Anordnung der alliierten Siegermächte waren durchschnittlich 60% aller Pädagogen wegen ihrer Mitgliedschaft in der NSDAP aus dem Schuldienst entlassen worden. Für eine demokratische Umerziehung (»Reeducation«) der Jugend kommen sie nach Ansicht der Besatzungsmächte nicht infrage. Nachwuchs von den Hochschulen ist jedoch vorläufig kaum zu erwarten. So versucht man, durch die Wiedereinstellung pensionierter Lehrer und die Ausbildung von Schulhelfern Abhilfe zu schaffen.

Ein in der Öffentlichkeit in den drei westlichen Besatzungszonen heftig diskutiertes Thema ist die Schulreform. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob in Zukunft Bekenntnis- oder Gemeinschaftsschulen der Vorzug gegeben werden soll. Während in Bayern der konfessionell gebundene Schultyp vorherrscht, ist es etwa in Hessen die Gemeinschaftsschule.

In der Sowjetzone wird dagegen das Schulwesen radikal reformiert. Durch Gesetz wird dort im Mai 1946 das Bildungswesen in staatliche Leitung überführt. Ferner richtet man die achtklassige Grundschule ein, der eine vierklassige Oberschule oder eine dreiklassige Berufsschulbildung folgt.