Die Kriegsfolgen sind noch immer spürbar

Verkehr 1947:

Auch im zweiten Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs leidet das Verkehrs- und Transportwesen in Deutschland noch immer unter dem katastrophalen Ausmaß der Zerstörungen.

Das mit Abstand wichtigste Transportmittel für den Personen- und Güterverkehr ist in Deutschland die Reichsbahn. Bei Kriegsende war ihr Betrieb nahezu vollständig zusammengebrochen. Nur Bruchteile des Streckennetzes konnten durchgehend befahren werden. Rund 10 000 Lokomotiven, 112 000 Güterwagen und etwa 13 000 Weichenanlagen waren zerstört oder zumindest stark beschädigt.

Obwohl es den Eisenbahnern unter größten Schwierigkeiten inzwischen gelungen ist, das Bahnnetz behelfsmäßig instand zu setzen, bleibt die Deutsche Reichsbahn völlig überlastet. Eine Ursache hierfür ist der schlechte Zustand der Waggons; zudem sind die wenigen gut erhaltenen Personenwagen von den Alliierten für eigene Zwecke beschlagnahmt worden. Viele Güterwagen werden im Ausland stillschweigend als Reparationsleistung einbehalten. Vor allem in der Ostzone leidet der Bahnverkehr unter den von der sowjetischen Besatzungsmacht angeordneten Demontagen: So gibt es dort keine elektrifizierten Strecken mehr; Mäste und Fahrdrähte gingen bereits 1946 als Reparationsleistung an die UdSSR. Viele Bahnlinien sind nur noch eingleisig befahrbar, da das zweite Gleis abgebaut wurde.

Die Reisezüge in den vier Besatzungszonen sind zumeist hoffnungslos überfüllt; die Fahrzeiten im Vergleich zur Vorkriegszeit um ein Vielfaches länger. So benötigt einer der wenigen Interzonenzüge für die Strecke von Bremerhaven nach München rund 23 Stunden. Der akute Mangel an Kohle im Hungerwinter 1946/47 hat zusätzliche Betriebseinschränkungen im Eisenbahnverkehr zur Folge.

Ohne ein funktionierendes Eisenbahnnetz besteht jedoch in näherer Zukunft kaum Aussicht auf eine durchgreifende Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Zwar sind inzwischen die Wasserstraßen in Deutschland wieder durchgehend befahrbar, es mangelt jedoch an ausreichendem Schiffsraum und leistungsfähigen Hafenanlagen für den Güterumschlag. Auch das deutsche Straßennetz konnte bisher nur notdürftig repariert werden. Da es zudem an Treibstoffen und Fahrzeugen fehlt, spielt der Personen- und Güterverkehr auf der Straße vergleichsweise eine nur untergeordnete Rolle.