Hoffnung für Europa: US-Außenminister Marshall stellt Wirtschaftshilfe in Aussicht

Hoffnung für Europa: US-Außenminister Marshall stellt Wirtschaftshilfe in Aussicht
George C. Marshall (1946). See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1947:

Andererseits verzeichnet das Jahr 1947 bei aller Tristheit einige Neuanfänge, die der Welt doch so etwas wie einen »New Look« bescheren. Da ist zunächst die Hoffnung auf das Hilfsprogramm, das bald als »Marshall-Plan« bekanntwird, benannt nach dem US-Außenminister George Marshall, der in seiner Rede im Juni die Leitidee skizziert: »Es ist nur logisch, dass die Vereinigten Staaten alles tun, was in ihrer Macht steht, um die Wiederherstellung gesunder wirtschaftlicher Verhältnisse in der Welt zu fördern, ohne die es keine politische Stabilität und keinen sicheren Frieden geben kann. Unsere Politik richtet sich nicht gegen irgendein Land oder irgendeine Doktrin, sondern gegen Hunger, Armut, Verzweiflung und Chaos.« Dass die USA mit ihrem Hilfsangebot durchaus auch eigennützige Ziele verfolgen, sagt Marshall ganz offen, wenn er über die Folgen der Krise in Europa spricht: »Abgesehen von der demoralisierenden Wirkung auf die ganze Welt und von der Möglichkeit, dass aus der Verzweiflung der betroffenen Völker sich Unruheherde ergeben könnten, dürfte es auch offensichtlich sein, welche Folgen dieser Zustand auf die Wirtschaft der Vereinigten Staaten haben muss.« Zwischen 1948 und 1957 fließen 13 Milliarden Dollar aus dem Marshall-Plan nach Westeuropa und in die Türkei, Geld, das neben der Linderung der akuten Not tatsächlich den Aufbau starker Handelspartner für die USA bewirkt.

Die Nachkriegsordnung nimmt, im Positiven wie im Negativen, immer deutlichere Formen an. Die Siegermächte unterzeichnen Friedensverträge mit den ehemaligen Verbündeten Deutschlands – Italien verliert dadurch sämtliche Kolonien –, in Westdeutschland entsteht die Bizone aus dem Zusammenschluss der britischen und der US-Besatzungszone, und gleichzeitig verhärten sich die Fronten im Kalten Krieg. Dazu trägt u. a. die Truman-Doktrin bei, die neue außenpolitische Leitlinie der USA, die künftig allen Staaten militärische und wirtschaftliche Unterstützung gegen kommunistischen Einfluss zusichert.