Restaurierung und Sicherung

Architektur 1947:

Zwei Jahre nach Kriegsende diskutiert man in der deutschen Öffentlichkeit über die Restaurierung von historischen Gebäuden und Kulturdenkmälern. In Frankfurt am Main z. B. streiten sich die Experten gleich über zwei Projekte: Über die Wiederaufbaupläne für die Paulskirche und über die Rekonstruktion des völlig zerstörten Goethe-Hauses. Dort, wo das Haus einst stand, befindet sich nun die graue Steinwüste der völlig zerbombten Altstadt.

Allerdings existiert noch sehr viel von der Einrichtung des Hauses. Möbel, Bücher, Kupferstiche und sogar Tapeten waren ausgelagert worden. Die Gegner dieses Projekts halten eine Rekonstruktion von Goethes Geburtsstätte für »ein peinliches Surrogat«. Doch Frankfurts Stadtväter beschließen, das Gebäude originalgetreu nachzubauen. 1949, zum 200. Geburtstag des Dichters am 28. August, soll es zusammen mit der Paulskirche, an der bereits gearbeitet wird, fertig sein. Die beiden Bauten werden dann als einzige in der Ruineneinöde des alten Stadtkerns stehen. Nicht selten jedoch sind vor der eigentlichen Wiederherstellung bauliche Rettungsmaßnahmen notwendig. In Würzburg z. B. müssen die Madonnenfiguren, die von zertrümmerten oder baufälligen Häusern unversehrt geblieben sind, per Polizeierlass geschützt werden. Nur so lässt sich verhindern, dass weitere dieser Statuen als mehr oder minder wertvolle Objekte auf dem Schwarzmarkt angeboten werden. Etwa 700 dieser Kostbarkeiten sind inzwischen sichergestellt. Einige werden später an den restaurierten Häusern ihren ursprünglichen Platz einnehmen.

Besonders schwierig gestaltet sich die Bausicherung, wenn Material und Facharbeiter fehlen wie in Lübeck, wo der Einsturz der Marienkirche verhindert werden soll. Drängendstes Problem der Architekten ist 1947 jedoch die schnelle und preiswerte Beschaffung von Wohnraum. Deswegen hat auch die Instandsetzung von nur wenig beschädigten Häusern Vorrang.