Es lohnt sich wieder, Werbung zu treiben

Werbung 1948:

Die Währungsreform in Deutschland bedeutet auch für die Werbewirtschaft einen tiefen Einschnitt.

In den Kriegs- und Nachkriegsjahren, in denen der Absatz von Produkten aller Art durch das Rationierungssystem geregelt war, bedurfte es keiner besonderen Verkaufsförderung. Anzeigen in den Zeitungen und Zeitschriften dienten in erster Linie dazu, traditionsreiche Markennamen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Vor der Währungsreform waren es in erster Linie die Besatzungsmächte, deutsche Verwaltungsstellen und vor allem auch die wiedererstandenen politischen Parteien, die Werbung betrieben. Auf den Plakattafeln waren in erster Linie Aufrufe, behördliche Verordnungen, öffentliche Bekanntmachungen und die Veranstaltungshinweise von Theatern, Kinos und Varietés zu finden.

Daneben entwickelte sich ein reger privater Anzeigenmarkt: Auf Zetteln an Zäunen, Wänden, Mauerresten boten Menschen Gegenstände aller Art zum Verkauf oder Tausch an.

Mit der Ausgabe der neuen Deutschen Mark (DM) und der Aufhebung der Rationierung in den drei westlichen Besatzungszonen ändert sich die Situation im Juni. Plötzlich bestimmen wieder Angebot und Nachfrage den Gang des Geschäftslebens.

Das bedeutet für Einzelhändler und Fabrikanten gleichermaßen wieder die Notwendigkeit der Werbung für die von ihnen hergestellten Produkte.

Anscheinend gewöhnen sich Hersteller und Verkäufer jedoch erst zögernd an das freie Spiel der Kräfte des Marktes. Nur langsam erscheinen in den Zeitungen und Zeitschriften die ersten größeren Anzeigen.

Deren Einfallsreichtum lässt jedoch, was ihren Inhalt und ihre grafische Gestaltung angeht, noch viel zu wünschen übrig.

Von den Verbänden der Werbewirtschaft wird allerdings u. a. gefordert, dass die Werbung künftig keinem behördlichen Genehmigungsverfahren mehr unterworfen wird. Außerdem verlangen die Werbeexperten eine Freigabe der Rundfunkwerbung. Nach der Zeit der weitgehenden Reglementierung während der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland, sieht die Werbewirtschaft nach der Währungsreform erstmals wieder eine Chance, ihre lange brachliegenden kreativen Möglichkeiten und ihren Witz zu entfalten.