Eisenbahn weiterhin das meistbenutzte Transportmittel

Verkehr 1949:

Mit der zunehmenden Normalisierung des Alltagslebens im Nachkriegsdeutschland gewinnt auch das Verkehrswesen allmählich seine Funktionsfähigkeit zurück.

Die Straßen sind wieder weitgehend befahrbar, die Reichsbahn wird im September in Deutsche Bundesbahn umbenannt und übernimmt zugleich die Zuständigkeit für die Schienenwege im gesamten Bundesgebiet: Zuvor verwalteten die Besatzungsmächte die Bahn nur jeweils in ihrer Zone, wodurch im Interzonenverkehr häufig Störungen auftraten. Jedoch sind von den 30 738 Gleiskilometern im Bereich der Bundesbahn immer noch fast 18 000 nur eingleisig; elektrifiziert sind lediglich 1593 Bahnkilometer, rund 5% der Gesamtstrecke. Die Bahn gewinnt durch die Einführung des neuen Sommerfahrplans am 15. Mai zusätzlich an Attraktivität. Die Reisezeiten werden durchschnittlich um ein Viertel verkürzt, da die Höchstgeschwindigkeit auf den Hauptstrecken von 85 km/h auf 100 km/h erhöht worden ist. Außerdem werden die Anschlussmöglichkeiten verbessert und die Abfahrts- und Ankunftszeiten günstiger gelegt, so dass Reisende weniger Nachtaufenthalte in Kauf nehmen müssen.

Dennoch verliert die Eisenbahn im Personenverkehr an Bedeutung, während Pkw deutlich häufiger genutzt werden, obwohl Treibstoff immer noch knapp ist und der private Autoverkehr vielen Beschränkungen unterliegt.

Der Index für die von der Bahn beförderten Personen geht von 226,9 im Jahr 1948 auf 177,9 in 1949 zurück (1936 = 100). Dies entspricht rund 1,33 Millionen Menschen, die im Durchschnitt je 23,03 km mit dem Zug zurücklegen.

Im Güterverkehr kann die Bahn dagegen weiter zulegen: Bei der Menge der beförderten Güter erreicht sie 82% des Standes von 1936; im Vorjahr waren es noch 77,9%. 1949 werden insgesamt 227 Millionen t Güter auf den Schienen transportiert; die mittlere Versandweite liegt bei 190 km.

Im internationalen Verkehr muss Westdeutschland auch nach der Gründung der Bundesrepublik noch beträchtliche Beschränkungen hinnehmen. Zwar wird den Westdeutschen wieder der Bau von Hochseeschiffen mit bis zu 7200 BRT gestattet; die Handelsflotte hat jedoch weiterhin nur einen geringen Umfang. Am 30. Juni 1949 umfasst sie Schiffe mit einer Gesamttonnage von 247 000 BRT;

1938 hatte die gesamte Handelsflotte des Deutschen Reiches über vier Millionen BRT und verfügte damit hinter Großbritannien, den USA und Norwegen über die viertgrößte Handelstonnage.

Die deutschen Häfen werden dagegen für die internationale Handelsschifffahrt immer interessanter. Hier ist die Zahl der ankommenden und abfahrenden Schiffe seit 1947 um mehr als die Hälfte angestiegen. Im Flugverkehr ist der Rückschritt gegenüber der Vorkriegszeit noch umfassender. Während das Deutsche Reich 1937 – allerdings mit deutlichem Abstand hinter den USA – über die zweitgrößte zivile Flugzeugflotte verfügte und die zweitgrößte Zahl an Passagieren beförderte, bleibt es der Bundesrepublik verboten, eigene Flugzeuge zu unterhalten oder eine Luftfahrtgesellschaft zu gründen. Die Westzonen werden jedoch stärker als bisher an den internationalen Flugverkehr angeschlossen.