Nur wer schon alles andere hat, leistet sich eine Ferienreise

Urlaub und Freizeit 1949:

Urlaubsreisen bilden für die Westdeutschen 1949 immer noch die Ausnahme. Das nach der Währungsreform vom Juni 1948 knapper gewordene Geld wird nur selten in einen Urlaub investiert, solange noch nicht alle notwendigen Anschaffungen gemacht sind. Wer sich jedoch die Ferien leisten kann, bezahlt gerne etwas mehr für einen komfortablen Aufenthalt: So zeigt sich in der Wintersportsaison 1948/49 in den bayerischen Alpen, dass die teuren Zimmer durchweg ausgebucht sind, während viele der billigen leer stehen.

Für Auslandsreisen bestehen außerdem Devisenbeschränkungen:

Fremde Währungen erhält nur, wer zu einer Pilgerfahrt nach Rom oder einem Kuraufenthalt in der Schweiz aufbricht, für Vergnügungsreisen stehen dagegen keine Devisen zur Verfügung.

Das westdeutsche Hotel- und Gaststättengewerbe hat jedoch Grund zu Optimismus: Da sich ausländische Touristen seit Mitte 1949 30 Tage lang in den Westzonen aufhalten dürfen (Geschäftsreisende sogar bis zu 60 Tage), steigt die Zahl der ausländischen Gäste in den deutschen Fremdenverkehrsorten an. Auch die reiselustigen Bürger der Vereinigten Staaten wählen Westdeutschland nun wieder als Urlaubsziel: Am 13. Mai trifft erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine Gruppe US-amerikanischer Touristen im Rahmen einer Europareise zu einem Besuch in Deutschland ein.