Vertriebene und Flüchtlinge überlasten den Arbeitsmarkt

Vertriebene und Flüchtlinge überlasten den Arbeitsmarkt
Flüchtlinge 1945, Vertreibung von Deutschen aus den Ostgebieten. Bundesarchiv, Bild 146-1985-021-09 / Unknown / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Arbeit und Soziales 1949:

Nachdem die wirtschaftliche Lage in den Westzonen Deutschlands sich 1949 zu stabilisieren beginnt, entstehen auf dem Arbeitsmarkt neue Probleme durch die wachsende Zahl an Heimatvertriebenen, Flüchtlingen und Kriegsheimkehrern, die in den Arbeitsprozess eingegliedert werden müssen.

In der Bundesrepublik Deutschland leben 1949 etwa 7,7 Millionen Vertriebene, dies sind 1,5 Millionen mehr als drei Jahre zuvor. Auch die Zahl der Zuwanderer aus der sowjetischen Besatzungszone bzw. der DDR ist seit 1946 um 400 000 auf 1,4 Millionen gestiegen. Die Zahl der Beschäftigten ist entsprechend von knapp elf Millionen 1946 auf 13,5 Millionen angewachsen. Der Anteil der Arbeitslosen hat sich mit 8,3% im Jahresdurchschnitt gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt.

Besonders hart vom Überangebot an Arbeitskräften betroffen sind viele Heimatvertriebene sowie Flüchtlinge, die selten eine ihrer Ausbildung entsprechende Stelle finden können und meist weit hinter ihrem früheren sozialen Status zurückbleiben.

Die Zahl der Beschäftigten liegt im Bundesgebiet 1949 etwa 11% über der von 1938, die Zahl der erwerbstätigen Frauen ist mit 18% überdurchschnittlich gestiegen. Besonders viele Frauen arbeiten in der Verwaltung und im Gesundheitswesen. Die Zahl weiblicher Arbeiter im Bergbau sowie in der Torf- und Erdölgewinnung, die Mitte 1948 noch um das Dreieinhalbfache über der von 1938 lag, geht deutlich zurück (auf Index 224 bei 1938 = 100). In vielen Wirtschaftszweigen, vor allem in der Metallgewinnung und -verarbeitung, dem Baugewerbe und dem Gaststättenwesen, liegen die Beschäftigtenzahlen noch weit unter denen der Vorkriegsjahre. Dies ist nicht zuletzt eine Folge der Demontagen und Beschränkungen, die der deutschen Industrie von den Alliierten auferlegt wurden. Außerdem leiden viele Industriezweige noch unter Kriegsschäden.

Beträchtliche Zuwächse in der Beschäftigtenzahl gibt es dagegen in der Elektrotechnik, bei öffentlichen Dienstleistungen und im Freizeitbereich (Theater, Kino, Sportveranstaltungen). Die Zahl der in der Landwirtschaft Tätigen ist seit der Währungsreform im Juni 1948 deutlich gesunken (von Index 174 auf 132; 1938 = 100). Hier hatten viele Menschen gegen Naturalien gearbeitet, bis die Bauern am Markt bessere Preise erzielen konnten und zu einer Entlohnung in Geld zurückkehrten.

1949 können die Industriearbeiter in der Bundesrepublik beträchtlich mehr Lohn mit nach Hause nehmen als im Vorjahr: Der durchschnittliche Bruttostundenlohn eines männlichen Industriearbeiters steigt von 1,12 DM (1948) auf 1,30 DM; zugleich erhöht sich die wöchentliche Arbeitszeit von 43 auf 47,3 Stunden, so dass der Bruttowochenverdienst auf 61,58 DM (1948: 48,25 DM) ansteigt.

Frauen erhalten zwar ebenfalls mehr Lohn, sie bleiben aber mit einem Bruttostundenverdienst von 0,83 DM immer noch weit hinter ihren Kollegen zurück. Da sie im Durchschnitt auch weniger lange arbeiten (43,8 Stunden pro Woche), liegt ihr Bruttolohn wöchentlich nur bei 36,26 DM.

Den Lohnzuwächsen stehen allerdings auch z. T. beträchtliche Preissteigerungen gegenüber. Im Juni 1949 liegt der Preisindex bei 159 (1938 = 100), ein Jahr zuvor betrug er noch 134. Besonders erhöht haben sich die Preise für Nahrungs- und Genussmittel, Kleidung, Heizung und Beleuchtung sowie Reinigung und Körperpflege. Annähernd gleich geblieben ist allein die Höhe der Mieten.