Bezug auf Bauhaus-Tradition

Bezug auf Bauhaus-Tradition
Chapelle Notre-Dame-du-Haut de Ronchamp, Architekt Le Corbusier. By Wladyslaw, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Architektur 1950:

Die Nachkriegsarchitektur in der Bundesrepublik Deutschland ist zunächst kaum von einem eigenen, neu entwickelten Stil geprägt. Sie versteht sich vielmehr als entschiedene Absage an die monumentale Bauweise der Nazizeit und knüpft an die vom Fortschrittsgedanken getragenen und neue technische Entwicklungen aufnehmenden Traditionen der 20er und frühen 30er Jahre an. Vorbilder bleiben u. a. die Bauhaus-Architekten Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe, die beide nach ihrer Emigration aus Deutschland in der neuen Heimat USA breite Anerkennung gefunden haben.

Während der Wohnungsbau sich weitgehend darauf beschränkt, in möglichst kurzer Zeit und mit geringem finanziellen Aufwand ein Maximum an Wohnraum zu schaffen, wobei eine individuelle Gestaltung in den Hintergrund tritt, werden die architektonischen Strömungen der Zeit vor allem bei öffentlichen Gebäuden und Geschäftsbauten sichtbar. Deren Bauweise ist zumeist ganz auf Funktionalität ausgerichtet, die sich nach außen in klaren schlichten Formen manifestiert. Es entstehen schlanke Hochhäuser in Stahlbetonkonstruktionen, die häufig über großzügige Glasfronten verfügen. Viele Architekten passen sich damit dem sog. International Style an, der sich seit den 30er Jahren von den USA ausgehend weltweit verbreitet hat und dazu führt, dass viele Großstädte ein ähnliches Gesicht erhalten.

Nur wenigen Architekten – etwa dem Schweizer Le Corbusier, der 1950 mit dem Bau der durch organische Formen geprägten Wallfahrtskirche Notre-Dame-du-Haut in Ronchamp beginnt – gelingt es, einen individuellen Stil zu entwickeln und bewahren, der ihre Entwürfe deutlich vom Gros der Neubauten unterscheidbar macht.